Weitere Titel werden vom Index für jugendgefährdende Medien gestrichen

Fallout 3 runter vom Index

Indizierung von Fallout 3 wird aufgehoben

Wie Bethesda auf ihrem Twitter Account mitteilt, wurde offensichtlich eine Nachprüfung der indizierten Version von Fallout 3 beantragt. Die gezwitscherte Meldung weist darauf hin, dass wohl bereits ein positiver Entscheid ergangen ist. Ob Bethesda eine Neuveröffentlichung des Titels plant oder einfach nur den Titel wieder in Erinnerung rufen möchte, ist derzeit noch unbekannt. Die letzten Jugendentscheide (so werden die „Urteile“ der BPJM genannt) und die ihnen zugrunde liegenden Entscheidungsgründe würden wohl etlichen Herstellern indizierter Titel eine entsprechende Nachprüfung erlauben. In den letzten Jahren wurden bereits einige Titel auf Nachprüfungsverlangen vom Index genommen, darunter u.a. Doom und Doom II, die unzensierten Versionen von Grand Theft Auto: Vice City, San Andreas, Liberty City Stories und Vice City Stories. Die Chancen, bei einem Nachprüfungsverfahren erfolgreich zu sein, steigen demnach immer weiter an.

Fragwürdige Entwicklung des Jugendschutzrechts

Der Jugendschutz – im Hinblick auf Gewaltdarstellungen – wird so immer weiter dem US-amerikanischen Vorbild angepasst, wo Gewalt in Spielen normalerweise kein Diskussionsthema ist. Fragt sich, ob auch die Kriterien im Hinblick auf Freizügigkeit (wie z.B. von der AfD gefordert) mancher Spielcharaktere, an das US-Recht angepasst werden. Dann gibt´s künftig keine nackte Haut mehr, dafür aber Enthauptungen und Gemetzel am laufenden Band. In den USA werden Spiele regelmäßig nur mit der höchsten Alterseinstufung ESRB „A“ (Adults only) bewertet, wenn sich irgendwo im Spiel nackte Haut oder gar entblößte Brüste finden. Gewalt ist nur in den seltensten Fällen ausschlaggebendes Kriterium für ein „A“-Rating (einer der wenigen Titel mit „A“-Rating ohne Nacktheit ist Hatred).

Ob diese Entwicklung im Spielerecht dem Gedanken des Jugendschutzes nicht zuwider läuft, wird wohl irgendwann vom Gesetzgeber geklärt werden müssen, insbesondere vor dem Hintergrund der Sperrwirkung eines USK18-Ratings bei einem offensichtlich jugendgefährdenden Titel, der aus formalen Gründen nicht indiziert werden kann. Die Zeiten der ursprünglich intendierten und jahrelang (relativ) gut funktionierenden regulierten Selbstregulierung gehen mit der momentanen Entwicklung jedenfalls einem sukzessiven Ende entgegen.


von: Michael Scheyhing, 14.02.2016
Screenshot: Bethesda@Twitter​