Verbraucherzentrale fordert Preisliste für Free2Play Spiele


Das Geschäftsmodell „Free2Play“ stößt nicht nur so manchem Spieler sauer auf. Insbesondere Eltern müssen häufig die von Ihren Sprößlingen angehäuften Kosten solcher „Gratis“-Spiele übernehmen. Zwar müssen sie dies rein rechtlich gesehen nicht zwingend, die meisten Eltern gehen jedoch einem vermeintlich teuren Rechtsstreit lieber aus dem Weg, als dass sie sich mit den Publishern oder der Vertreiberplattform (Google Play, Apple Appstore, Amazon Appstore oder Windows Store) auseinandersetzen oder sich gegen die potentiell unberechtigte Forderung erwehren.

Was ist „Free2Play“?

Free2Play (F2P) bedeutet regelmäßig nur eines: Enorme Kosten für den Spieler. Während man reguläre Spiele zum Festpreis kauft (aktuelle Konsolentitel zum Startpreis von regelmäßig ca. 60 – 70 Euro), bauen die Vertreiber und Entwickler von solchen „Gratisgames“ darauf, dass man – nach einem kostenlosen Einstieg – bares Geld in die Hand nimmt, um im Spiel schneller oder überhaupt voran zu kommen. Das Weg zum Ziel ist hierbei in aller Regel, den Spieler so lange am (gewünschten) Spielfortschritt zu hindern, bis dieser sich ein „Booster-Pack“ kauft. Ein absolutes Negativbeispiel hierfür ist „Jurassic World“ der kanadischen Ludia Inc., welches die Lizenz für Universals Jurassic Park Filmserie als F2P-Game vertreibt. Mit einer Altersfreigabe „4+“ und darauf ausgerichtet möglichst niedliche und hübsche Grafiken zu bieten, bewirbt dieser Dinosauerierpark-Simulator dem Spieler bereits kurz nach dem Einstieg die absolut günstigen Super-Sonderangebote von 49,90 Euro für den Super-Sonder-Dino des Tages.

Gratis Einstieg – teurer Fortschritt

Per einfachem Klick kann man ohne weiteres, um nicht bereits nach 30 Minuten Spielfortschritt etliche Stunden auf die Fertigstellung einer „Parkerweiterung“ warten zu müssen, eine kostenintensive „Fertigstellung“ dieser Erweiterung kaufen. Damit man nicht den Anschein erweckt, das Gratisspiel würde nur unser Geld wollen, bietet man Mehrwert an. So bietet uns das Spiel noch zusätzliche 2-3 Dinos für läppische 99,90 Euro im einmaligen Sonderangebot – wer da nicht zuschlägt, hat vermutlich die Kreditkarte der Eltern nicht gefunden. Etliche hunderttausend Euro an einem Gratisspiel investieren? Heutzutage kein Problem, wie auch ein aktueller Fall aus den USA zeigt, in dem ein Arbeitnehmer den Gegenwert von 1 Million US-Dollar in ein F2P-Game investierte.

Lohnt sich das für die Hersteller?

Auch wenn – wie manche Statistik zeigt – nur ein geringer Teil der Spieler überhaupt Geld in solche Spiele investiert und sich der Eine oder Andere gegen Kaufoptionen, welche die Kinder aktivierten, erfolgreich wehrt,  so profitieren die Hersteller auch vom Nebengeschäft. Mit der Installation gibt der Spieler häufig viele Daten auf seinem Smartphone oder Tablet (und neuerdings auch der Spielkonsole) frei. Die Kamera wird zugänglich, das Mikrofon kann abgehört werden, Standortdaten werden übertragen, Telefonnummern und Chats ausgelesen und SMS kontrolliert. Der Spieler interessiert sich nicht für den Schutz seiner Daten. Das tut er erst, wenn ihm daraus Nachteile entstehen. Die nun für den Hersteller zugänglichen Daten werden aber für den Spieler positiv verwendet. So bekommt er auf ihn und sein Bewegungsprofil zugeschnittene Werbung direkt aufs Telefon geschickt, Google kann die aktuell relevanten Neuigkeiten bereithalten, er erhält vielfältige Newsletter und im Supermarkt um die Ecke erkennt man sein Smartphone und damit seine Kaufgewohnheiten auch direkt am – zum „gratis“ surfen einladenden – WLAN-Beacon. Du bist Schwanger und willst es deiner Mutter verheimlichen? Vergiss es, der Katalog für Umstandskleidung ist bereits auf dem Weg zu dir nach Hause!*

Verbraucherzentrale NRW fordert Transparenz

Die Forderung lautet: Spiele-Anbieter sollen notwendige Käufe und Kosten vor der Installation des Spiels bekannt geben!

Nicht zuletzt die sehr erfolgreiche und enorm umsatzstarke App „Pokemon Go“ hat die Verbraucherschützer auf den Plan gerufen. Auch hier wurden Milliarden umgesetzt, weil Spieler sich „Eier“ oder deren Ausbrüterei bzw. Pokebälle oder ähnliches nicht erlaufen sondern erkaufen wollten. Das Problem ist häufig, dass der Kauf „versteckt“ abgewickelt wird. Hat man eine automatische Kaufabwicklung im Telefon aktiviert, langt es bei vielen Spielen schon, wenn man die lästige eingeblendete Werbung zwei Mal hintereinander versucht wegzuklicken. Der zweite Klick war dann der „Kaufen“-Button. „Mal ist der Kauf-Button zentral platziert, mal öffnen sich während des Spiels laufend Fenster, die auf die Kauf-Option hinweisen. Oft sind es viele kleine Käufe, die sich am Ende zu einer großen Summe addieren“, monieren die Verbraucherschützer.

Vor allem, wenn In-App-Käufe notwendig sind, um im Spiel weiterzukommen, sind die Kostenfallen ausgelegt und treffen insbesondere bei Kindern schneller als die Eltern ihre Kreditkartenabrechnung prüfen können. Virtuelle Währungen werden nicht aktiv ausgegeben, man fühlt den Schwund der finanziellen Leistungskraft nicht. Man merkt die Ausgabe erst, wenn das Konto keine Deckung mehr aufweist. Diesen psychologischen Aspekt machen sich die Hersteller zu nutze.

Daher fordert die Verbraucherzentrale, dass Anbieter gesetzlich verpflichtet werden müssen, von vornherein über notwendige In-App-Käufe zu informieren und via Preisverzeichnis alle Kosten aufzulisten, die auf die Spieler zukommen können. Desweiteren müssen die Angaben in Euro (und nicht etwa Entenhausen-Taler) gemacht werden. Der Gamer soll vor jedem konkreten Kauf erfahren, was das Feature kostet.
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13.12.2016, Michael Scheyhing
* so geschehen in den USA, wo die – erst seit 6 Wochen Schwangere – von der Supermarktkette Target entsprechendes Werbematerial zugesandt bekam.