Urheberrechtsverletzung durch Tattoos in Spielen

Urheberrechtsverletzung durch Tattoo

Tattoos als urheberrechtlich schutzfähige Werke?

Tattoos zu tragen war einmal verpönt, heute gehört es hingegen irgendwie schon zum guten Ton, dass man auf das eine oder andere rebellische Tintenbildnis auf seiner Haut verweisen kann. Politiker, Sportler, Schauspieler und sogar Bankangestellte tragen die oftmals bunten Bildchen stolz zur Schau. Auch in sozialen Netzwerken werden die Kunstwerke präsentiert, oftmals ohne das Wissen der Künstler hierum. Vielen Trägern bemalter Haut ist dabei nicht bewusst, dass auch Tattoos dem Schutz des Urheberrechts unterfallen.

Der Tätowierer als Künstler schafft ein Werk, und ist damit Schöpfer nach § 2 Abs. 2 UrhG. Einzige Voraussetzung ist, dass eine gewisse Schöpfungshöhe erreicht wird. Banalitäten, wie z.B. ein Allerweltsmuster (Feder, Ringe, 08/15-Tribal) oder Chinesische Schriftzeichen unterfallen daher nicht diesem Schutz. Dem Künstler stehen sämtliche Rechte bezüglich der Verwertung und Veröffentlichung des Kunstwerkes zu. Dies gilt völlig unabhängig davon, dass das Kunstwerk auf einem fremden Körper aufgebracht ist. Der Tätowierte kann also nicht nach belieben darüber bestimmen, wie und in welcher Form er das Tattoo in der Öffentlichkeit präsentiert.


Im Spielerecht geht man eigentlich nicht von einer entsprechenden Schutzverletzung aus, da in aller Regel die Programmierer und Graphiker eigene Werke erschaffen. Dadurch aber, dass Tattoos immer salonfähiger und Videospiele immer realistischer wurden, treten auch hier inzwischen rechtliche Konflikte auf, wenn real existierende Personen als Spielfiguren abgebildet werden.

Take Two, Visual Concepts und 2K Games wegen Urheberrechtsverletzung durch Tattoos in Spielen vor New Yorker Gericht verklagt.

copyright infringement

Screenshot: NBA 2K16

NBA2K16 – ein beliebtes und erfolgreiches Basketballspiel zeigt die (lizenzierten) Spieler der Mannschaften äußerst detailgetreu. Unter anderem sind auch die Tattoos der Spieler deutlich im Spiel zu erkennen. Die Produzenten des Titels ließen aber eben jene Tattoos nicht von den Künstlern bzw. den Rechteinhabern lizenzieren.

So kam es, dass Anfang Februar Visual Concepts Llc, 2K Games Inc und Take-Two Interactive Software Inc von Solid Oak Sketches Llc verklagt wurden.

 Die Kläger beanspruchen das Urheberrecht an insgesamt acht Werken auf den Körpern der Spieler LeBron James, DeAndre Jordan, Eric Bledsoe, Kenyon Martin und Kobe Bryant. Vorherige Verhandlungen nach einer Abmahnung der Copyright-Verletzungen wurden nach Angaben der Klägerin von den Beklagten abgebrochen. Den Produzenten wurden dabei die Lizenzrechte für 572.000 $ jährlich angeboten. Die Lizenzgebühren richteten sich nach dem Fall Escobedo v. THQ Inc, welcher mittels eines Vergleichs über die Summe von 22.500 $ beendet wurde. Die dortige Vergleichssumme wurde in Relation zu den verkauften Einheiten der 2K-Spiele gesetzt.

Die Klageforderung beläuft sich auf einen Schadensersatzanspruch nach Titel 17 des United States Code (USC)  § 504(c)(2) auf 150.000 $ pro Verletzungshandlung. Insgesamt also 1.2 Mio $.

Erfolgsaussichten:

Während in Deutschland das Urheberrecht qua Gesetz Schutz genießt und eine Verletzung direkt einer Klage zugänglich ist, muss in den USA das Copyright registriert werden bevor öffentlich Klage erhoben werden kann. Diese Vorraussetzungen liegen der Klageschrift nach vor. Die Urheberrechtsschutzfähigkeit an Tattoos in den USA ist allerdings noch nicht endgültig geklärt. Einen Präzedenzfall gibt es bislang nicht. Sämtliche bekannt gewordenen Fälle endeten stets mit einem Vergleich. Im Common-Law Rechtskreis bedarf es eines Präzedenzurteils um Rechtssicherheit zu erlangen (in Deutschland werden solche Urteile oft fälschlich als Gesetze verkannt). Das erkennende Gericht könnte durchaus auch feststellen, dass Tattoos eben keinen Urheberrechtsschutz nach dem Copyright Act genießen. Allerdings haben sich in anderen Verfahren bereits Richter dazu geäußert, dass ihrer Meinung nach Tattoos durchaus dem Copyright Act unterliegen würden und deshalb schutzfähig seien (vgl. Escobedo v. THQ Inc und Victor Whitmill v. Warner Bros).

Quelle: USDC-SDNY
Michael Scheyhing, 07.02.2016