Urheberrechtlicher Schutz von Spielfiguren

World of Warcraft, Urheberrecht, Copyright infringement

Blizzard klagte gegen Lilith Games aufgrund von Urheberrechtsverletzungen ihrer in World of Warcraft vorkommender Charaktere. Lilith Games nutzt in dem Rollenspiel Soul Clash für Smartphones Spielfiguren, die denen aus Blizzards MMORPG sehr ähnlich sind (Lilith Games selbst widerum führt Rechtsstreite wegen Verletzungen des eigenen Urheberrechts gegen andere Spieleentwickler). Die Figuren sind im Prinzip identisch, wurden aber in verniedlichter Form, dem sogenannten Chibi-Stil gezeichnet. Blizzard erhob Klage in Kalifornien und in Taipei. Die Klage vor dem US-Gericht wurde unlängst abgewiesen. Die streitgegenständlichen Figuren als übliche in Spielen notwendige Elemente, wären nicht schützbar. Schützbar wären hingegen Figuren, wenn diese konkret und mit den besonderen, die Figur einzigmachenden Umschreibungen dargestellt werden. Warum Blizzard in ihrer Klageschrift die WoW-Charaktere nicht konkretisierte mag dahingestellt sein – hier gibt es lediglich Gerüchte, dass die Figuren aus dem wohl erfolgreichsten MMO weltweit ihrerseits nicht so ganz selbst erfunden sind.

Wieweit genießen Spielfiguren urheberechtlichen Schutz?

Das deutsche Urheberrecht unterscheidet sich natürlich vom im Common-Law Gebiet gebräuchlichen copyright System. Wir betrachten hier nur die deutsche Sicht, da im Spielerecht zwar hauptsächlich international agiert wird, aber das Thema den Beitrag sprengen würde. Bei entsprechender Nachfrage lässt sich über eine rechtsvergleichende Betrachtung natürlich nachdenken.

Spielfiguren genießen Werkschutz nach § 2 Abs. 2 UrhG. Das heißt, sie müssen persönliche und geistige Schöpfungen sein. Nicht geschützt ist demnach eine Kunstfigur, die durch einen Algorithmus erschaffen wird, wenn dahinter keine kreative menschliche Leistung mehr steht. Wobei an die kreative Leistung keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden. Die kleine Münze des Urheberrechts findet auch hier Anwendung. Videospielfiguren stehen denen eines Comics oder Zeichentrickfilms insofern in Nichts nach. Voraussetzung ist, dass der Figur eine hinreichende Individualität zugute kommt.

Die Spielfigur kann auch urheberrechtlichen Schutz bezüglich ihres “Charakters” genießen. Figuren die also eine ausgeprägte Persönlichkeit innerhalb des Spiels aufweisen, über bestimmte einzigartige und typische Fähigkeiten verfügen sind auch dahingehend geschützt.

 


 

Bild: LilithGames
Artikel von:
Michael Scheyhing