Twitch-Donations: Trinkgeld oder steuerpflichtige Einnahmen?


Twitch als Einnahmequelle

Die Streamingplattform Twitch ist für viele Gamer eine lukrative Möglichkeit, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Auf dieser Plattform können Streamer Gameplay von diversen Spielen für ein Livepublikum übertragen. Das Twitch-Partnerprogramm ermöglicht es den Streamern, Werbung zu schalten und Geld für Abonnements zu erhalten. Zusätzlich sind für viele Streamer auch die Donations eine nicht zu verachtende Einnahmequelle. Werden diese Einnahmen bei der Steuererklärung nicht angegeben, kann dies drastische Konsequenzen für den Streamer haben. Ob die Einnahmen steuerfrei sind oder nicht, muss je nach Fall einzeln betrachtet werden.

Steuerliche Einordnung der Donations als “Trinkgeld”

Der Streamer betreibt regelmäßig ein Gewerbe oder ist Freiberufler. Die steuerliche Einordnung misst sich an den Vorausseztungen des Einkommensteuergesetzes (EStG). Entsprechend müssen diese Einnahmen grundsätzlich versteuert werden. Die Vorschrift, nach der Trinkgeld steuerfrei ist (§ 3 Nr. 51 EStG), bezieht sich ausschließlich auf Arbeitnehmer. Ob man die Donations als Geschenk, „Spende“ oder Trinkgeld bezeichnet, ist egal: sie gehören zum erzielten Einkommen nach § 2 Abs. 1 EStG. Denn auch wenn der Streamer die Donations nicht einfordert, so streamt er unter anderem gerade wegen solcher Donations, (Weber-Grellet in: Schmidt § 2 EStG Rz.18, EStG Kommentar, 35. Auflage, 2016).

Dasselbe gilt, wenn man die Donations als sogenannte “sonstige Einkünfte” qualifizierte und mehr als 256 Euro im Jahr damit verdient werden, § 22 Abs.3 S.2 EStG. Gelingt es, das Finanzamt davon zu überzeugen, dass das Streaming nur eine künstlerische nebenberufliche Tätigkeit ist, so wäre das Einkommen bis zu einem Betrag von 2.400 Euro steuerfrei, §3 Nr.26 EStG.

Hobby oder steuerlich relevante Tätigkeit?

Ist das Streaming nur Liebhaberei (Hobby), so sind auch damit verbundene Einkünfte steuerfrei. Liebhaberei liegt vor, wenn der Streamer keine Gewinnerzielungsabsicht hat, sondern aus persönlichen und nicht aus wirtschaftlichen Gründen streamt. So darf er zwar im Einzelfall mit dem Streaming Gewinne erzielen, im Großen und Ganzen muss für die Anerkennung als Liebhaberei aber ein Verlust oder höchstens die Deckung der Kosten zu Buche stehen. Solange also beim Hobby mehr gezahlt als eingenommen wird, liegt keine steuerbare Einnahme vor. Im Gegenzug können aber auch die Verluste nicht geltend gemacht werden. Bei langfristigen Gewinnen wird eine Gewinnerzielungsabsicht vermutet (BFH Urt. v. 16.03.2012 – IV B 155/11 Abs.17) und die Donations sind zu versteuern.

“Trinkgeld” nur für Arbeitnehmer steuerfrei

Nur wenn der Streamer Arbeitnehmer wäre, könnten solche Trinkgelder grundsätzlich steuerfrei sein. Entscheidend ist darüber hinaus, dass ein persönliches Verhältnis zwischen Trinkgeldgeber und Trinkgeldnehmer besteht. Dieses ist weder bei den üblichen Donations, noch beim „Cheering“ problematisch, da der Zuschauer entscheidet, wem die Beträge zu Gute kommen. Beim “Cheering” kauft der Twitch-Zuschauer „Bits“ im Wert von etwa 0,01 US-Dollar pro Bit von Twitch und kann diese an verschiedene Streamer vergeben und diese damit “anfeuern”. Twitch erhält das Geld für die Bits und verteilt es daraufhin an die Streamer weiter, die von dem User bestimmt werden. In einem ähnlichen Fall hat der BFH auch das Sammeln von Trinkgeld durch den Arbeitgeber für steuerfrei erachtet (BFH Urt. v. 18.06.2015 – VI R 37/14 Abs.16).
Die Frage ist also, ob die Donations auf einer “Arbeitnehmer”-Situation beruhen können. Laut Twitchs Developer Agreement sowie den Terms of Service erhält ein Streamer lediglich die Lizenz, die Programme zu nutzen und zu streamen. Er begibt sich daher nicht in ein Arbeitsverhältnis mit Twitch, sondern ist lediglich (selbständiger) Lizenznehmer.

Verschleierung ist Steuerhinterziehung

Damit fällt der Streamer nicht in die Regelungen des § 3 Nr. 51 EStG und die Donations und Cheers sind grundsätzlich nicht steuerfrei. Sie sind vom Streamer in der Steuererklärung anzugeben. Beim Verschweigen solcher Einkünfte droht eine Steuernachzahlung und im schlimmsten Fall ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung und damit Geldstrafe oder sogar Haft.

Wie bereits erwähnt, ist dies allerdings immer vom Einzelfall abhängig. Eine Prüfung durch einen Rechtsanwalt ist in jedem Fall anzuraten und wird gar nicht erst notwendig, wenn man sich vor Aufnahme der Tätigkeit beraten lässt. Da es beim Streaming verschiedenste rechtliche Verpflichtungen auch hinsichtlich jugendschutzrechtlicher Voraussetzungen gibt, sollte der Besuch beim Anwalt nicht erst angedacht werden, wenn man bereits Post erhalten hat.

 

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Herbert Mette, 09.08.2017