Turniergewinne und Cash-Games als gewerbliche Einkünfte?


Spielgewinne als steuerbare Einkünfte.

Manchmal ist ein zu großer Erfolg auch schon einmal hinderlich im Leben. Ein professioneller Pokerspieler, welcher sich an Cash-Games in Spielbanken und an insgesamt über 90 Pokerturnieren beteiligte, wurde aufgrund seiner starken medialen Präsenz von den Steuerbehörden etwas genauer betrachtet. Hieraufhin wurden seine Gewinne als gewerbliche Einkünfte deklariert. Das zuständige Finanzamt verlangte von dem erfolgreichen Turnierspieler nachträglich Einkommen- und Gewerbesteuer.

Der Spieler selbst verteidigte sich hiergegen mit einer Klage gegen das Finanzamt, dass Gewinne aus Glücksspielen nicht steuerbar seien. Die Klage wurde mit der Begründung abgewiesen, dass die Teilnahme an Cash-Games und Pokerturnieren eben gerade keine Glücksspiele darstellten, weil bei solchen Turnieren nicht das Zufallsmoment, sondern das Geschicklichkeitsmoment und die Spielerfertigkeiten ausschlaggebend seien. Dies gelte jedenfalls für Spieler, deren Fähigkeiten über die eines durchschnittlichen Spielers hinausgehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Revision zum Bundesfinanzhof ist zugelassen.

Folgen für den eSport

Sogenannte Cash-Games sind auch bei Computer- und Videospielern immer wieder heiß begehrt. Sei es der reine Nervenkitzel daran, um Geld zu spielen, sei es die Aussicht auf einen höchst ansehlichen Geldbetrag mit relativ wenig Einsatz. Oftmals werden solche Cash-Games auch online angeboten. Ob diese Art der „Sportwette“ erlaubnispflichtig und daher im Prinzip verboten ist, mag hier einmal dahingestellt sein. Das Finanzgericht – sollte es in seinem Spruch bestätigt werden – hat mit diesem Urteil festgelegt, dass der Gewinn aus Turnieren oder dem Sieg in einem Cash-Game in jedem Fall zu versteuern ist. Glückspielrecht dürfte – wie wir hier ebenfalls bereits in einem anderen Beitrag dargelegt haben – beim eSport höchstens im Bereich des Wettens auf den Ausgang eines Turniers anzuwenden sein.

Erfolgreiche Teams oder Einzelspieler müssen ihre Gewinne als steuerbare Einnahmen beim Finanzamt erklären. Die Folgen einer Nichterklärung können neben einer erheblichen Nachzahlung auch in potentiellen Strafverfahren liegen.

Ob das Finanzamt der obigen Meinung folgt oder ob es die Gewinne dem Glückspiel zuordnet, wird vermutlich zumindest bis zu einer höchstrichterlichen Entscheidung von Fall zu Fall entschieden werden.



Michael Scheyhing, 04.12.2016
Quelle: Pressemitteilung des FG Münster v. 03.11.2016