Schalke 04 kauft Spieler ein: eSport wird professionell

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Der eSport kämpft in Deutschland bereits seit 2003 um die Anerkennung als „richtiger Sport“. Damals wurden mit dem Deutschen eSport Verband (DeSpV) und dem Deutschen eSport Verband e. V. (DeSV) zwei Interessengemeinschaften gegründet, die das Vorhaben umsetzen sollten. Die Bemühungen mündeten schließlich in einem Verband, der die bisherigen Interessengemeinschaften einte, dem Deutschen eSport-Bund (ESB). Der ESB ist allerdings seit 2011 inaktiv. Man hatte wohl das große Vorhaben aufgegeben. Die folgenden Jahre wurde es um die Bemühungen eSport als Sport anerkennen zu lassen ruhiger. Nichtsdestotrotz entwickelte sich der eSport nicht zuletzt aufgrund der höchst erfolgreichen Titel Counter-Strike: Global Offensive (CS:GO) und League of Legends (LoL) zu einem Markt, der mittlerweile Umsätze in Milliardenhöhe erzielt. Wohl gerade deswegen wird auch heute wieder versucht, den eSport als richtige Sportart anerkennen zu lassen. So wurde im Frühjahr 2016 vom wissenschaftlichen Parlamentsdienst ein Gutachten zu der Frage erstellt, ob eSport als gemeinnützige Sportart im Sinne der steuerrechtlichen Förderung auf Bundesebene anerkannt werden könne. Die Gutachter kamen zu dem Ergebnis, dass eSport aufgrund der ungefestigten Sportdefinition und der bisherigen rechtlichen Auslegung des Sportbegriffs sich nicht als anerkannte Sportart fassen lasse. Allenfalls eine bewusste politische Entscheidung des Bundes könne – in der steuerrechtlichen Beurteilung – durch die Behandlung des eSports als Ausnahme gleich dem Schach zu einer rechtlichen Teilanerkennung als gemeinnützige Sportart führen. Zumindest von der körperlichen Belastung jedoch, dürfte eSport dem herkömmlichen Sport nicht viel nachstehen, wie Stimmen der Deutschen Sporthochschule Köln verlauten lassen.

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Team Element – S04

Nachdem mit den Weltcuptiteln mittlerweile der große Mammon eingefahren und regelmäßig ein Millionenpublikum erreicht wird, können die tradierten Sportvereine der Wertschöfpung in unbedeutende Managerkassen nicht weiter zusehen und fangen an, sich für die „Zocker“ zu interessieren. Die VFL-Wolfsburg-Fußball GmbH sicherte sich bereits im Mai 2015 ein erstes eSports-Team – es handelt sich um mittlerweile drei FIFA (Electronic Arts) Spieler, die den VFL-Wolfsburg in der sogenannten „Virtuellen Bundesliga“ vertreten, welche vom Pay-TV Sender SKY ausgestrahlt wird. Nun zieht der nächste „Fußballstar“ nach: Der FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V. stellt sein erstes eigenes Team vor. Team Elements, das in LoL seit Anfang 2015 am Erfolg schraubt, steht seit kurzem beim Verein unter Vertrag. Das Vereinsmanagement und die Sponsoren möchten Einzug in die League of Legends Championship Series (LCS) halten und ein Stück vom Kuchen – der Werbewirksamkeit bei Millionen (jungen) Zuschauern – abhaben.

Wenn sich nun große Vereine und Unternehmen bemühen, wird künftig hoffentlich auch die vertragliche Absicherung der Spieler besser werden. Bislang sind die geschlossenen Verträge oft mangelhaft, häufig lediglich mündlich und insgesamt eher kaum verbindlich. eSportler, die von einer Teamauflösung betroffen sind, standen bislang häufig ohne jegliche Abfindung von heute auf morgen auf der Straße, weil sie bei der Gründung oder Aufnahme in das Team nicht an so „Unwesentliches“ wie einen anständigen Spielervertrag dachten. Ohne eine rechtliche Prüfung solcher Verträge durch einen spezialisierten Juristen sollte man gar nicht erst mit dem Gedanken einer anständigen eSport-Karriere liebäugeln, wie viele Beispiele in jüngster Vergangenheit zeigten. Zu groß ist die Gefahr, dass Sponsoren oder Manager die (oft unbedarften) Teamleiter und Spieler ausnutzen und in für sie sehr unvorteilhafte Knebelverträge zwingen. Gerne können wir bei der Abfassung oder Kontrolle solcher Verträge behilflich sein.


Spielerecht Esports AssociationZiemlich gleichzeitig zur vorgenannten Verpflichtung wurde die World eSports Association (WESA) gegründet. Ähnliche Versuche offizielle Ligen zu etablieren, wie mit der Deutschen eSport Bundesliga (DeSBL) blieben bislang eher unbemerkt von der sogenannten Mitte der Gesellschaft. Gründungsmitglieder sind neben der deutschen Electronic Sports League (ESL) einige der erfolgreichsten Teams wie Fnatic, Virtus Pro, Envyus, Ninjas in Pyjamas, G2 eSports, Natus Vincere, Mousesports und Face Clan. Die Organisation will zunächst die ESL-Pro-League – CS:GO voranbringen und langfristig zur größten eSport-Organisation weltweit erwachsen. Zudem arbeitet die ESL mit der Pilgrim Media Group an qualitativem Streaming- und TV-Content. Blizzard, die letztes Jahr die Major League Gaming (MLG) übernahm, plant mit MLG.tv ebenfalls ein neues Übertragungsformat. Im Stream sollen Interviews, Statistiken, Leaderboards und besondere Situationen an den Zuschauer mittels der Enhanced Viewing Experience (EVE) angepasst werden und individuell abrufbar sein.

Weitere Vorstöße sind bei Pro7-Maxx mit der neuen Profi-Liga ELEAGUE anzutreffen und der wöchentlich am Mittwoch gegen 0.00 Uhr stattfindenden CS:GO Offensive ab dem 01.06.2016. Dort werden wohl in einem ersten Feldversuch von den insgesamt im Streamingangebot angestrebten 30 Wochenstunden Highlights und Zusammenfassungen zu sehen sein.

Wird der eSport nun richtig professionell, gibt es nach dem Wunsch des Gesetzgebers auch weitergehende Haftungsrisiken. Insbesondere auch die neu geschaffene Sportwettbetrugsstrafbarkeit dürfte hier relevant werden. Zwar wird eSport noch nicht als Sport im herkömmlichen Sinne und vom Deutschen Sportbund anerkannt, jüngste Forschungsergebnisse und vor allem eine gesteigerte Lobbyarbeit könnten jedoch auch hier schnell zu einer Änderung führen. Entsprechende Spieler und Veranstalter fielen spätestens mit dem offiziellen Anerkenntnis des eSports als Sportart unter die neu geschaffenen Straftatbestände §§ 265 c – e StGB-E und könnten mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu maximal 5 Jahren bei einem entsprechenden Wettbetrug bzw. einer Spielmanipulation bestraft werden.*Gameslaw Spielerecht


*Regierungsentwurf vom 06.04.2016, abrufbar unter https://www.bmjv.de
Bilder: https://www.facebook.com/WESA …/S04Esports
Michael Scheyhing, 16.05.2016