Riot Games: 10 Millionen Schadenersatz von Bot-Hersteller

Wow Bots Bossland Activision Blizzard

Der Multiplayer-Titel “League of Legends (LoL)” des amerikanischen Entwicklers Riot Games ist so erfolgreich wie kein zweites Spiel im eSport-Business. Bei über 100 Millionen Spielern jeden Monat ist es kaum verwunderlich, dass hie und da versucht wird zu tricksen. Bisweilen geht es bei LoL um enorme Preisgelder, 2016 lagen die zu ergatternden Gewinne der World Championships bei satten 5,8 Millionen US Dollar.

Bot-Hersteller greifen unerlaubt in Gameplay ein.

Bereits letztes Jahr verklagte Riot Games ein Unternehmen namens League Sharp, nach eigener Aussage dem weltweit führenden Anbieter von Cheat- und Bot-Software für “League of Legends”. Der Vorwurf im Klageantrag: League Sharp biete geneigten Spielern die Möglichkeit, durch diverse Manipulationen unfaire Vorteile im Spiel zu erlangen. Bei den Usern der Software wird dies schlicht “Botting” genannt.

So sei es für Nutzer des Services möglich, versteckte Informationen einzusehen und bestimmte Spielabläufe zu automatisieren, um so “die eigene Genauigkeit zu verbessern oder ins Übermenschliche zu steigern”. Zudem bestünde die Möglichkeit, Level, Erfahrungspunkte sowie Items in einer Geschwindigkeit zu erlangen, die für normale Spieler nicht zu erreichen seien. Zudem sollen mehrfach Angriffe auf die Spielserver durchgeführt und Botnutzern Wege aufgezeigt worden seien, wie diese ohne entdeckt zu werden die Cheatbots nutzen können. Darüber hinaus wurden Nutzer dazu animiert, Ingame-Transaktionen taktisch und auf betrügerische Art und Weise zu melden.

Das Geschäftsmodell von League Sharp greife das von langer Hand aufgebaute Gameplay und das Vertrauen der Spieler in das Spiel existenziell an. Dies geschehe in der Absicht Riot Games und die Spielerschaft zu schädigen. Dies wird auch durch die Bewerbung des eigenen Services auf Plattformen wie Twitter und Facebook als “GAMEBREAKING” deutlich.

Klage nach dem DMCA

Damit verstoß die Beklagte zum einen gegen den Digital Milennium Copyright Act (DMCA), indem Technologien verkauft, verbreitet und angeboten wurden, die den eingebauten Kopierschutz des Spiels umgehen. Zum anderen wurden zahllose Spieler dazu angestiftet, gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Riot Games zu verstoßen, welche die Verwendung von Cheat-Software ausdrücklich verbieten.

Im Laufe des Verfahrens soll League Sharp Beweise vorsätzlich vernichtet und Mitarbeiter von Riot Games bedroht haben. Auch wurde versucht, den Behörden mittels einer Briefkastenfirma auf Peru zu entgehen.

Im Januar fand der Rechtsstreit nun ein Ende. Die Beklagte wurde zu 10 Millionen US Dollar Schadensersatz verurteilt, zudem wurde sie verpflichtet, bis zum 28. Februar 2017 alle Geschäfte einzustellen. Riot Games erhielt die Kontrolle über alle Websites der Beklagten, diese gestand in einer – mittlerweile gelöschten – Mitteilung ihre Niederlage ein und wies alle Nutzer auf die möglichen Folgen von Drittsoftware im Spiel hin.

Dieser Fall zeigt erneut, wie kostspielig Urheberrechtsverletzungen werden können. Auch in vertragsrechtlicher Hinsicht ist der Fall höchst interessant, liegt hier doch potenziell eine vielfache Anstiftung zum Vertragsbruch durch League Sharp vor. In Deutschland wurde jüngst der Bot-Hersteller Bossland in einem von vielen Rechtsstreiten mit Blizzard rechtskräftig vom BGH zur Unterlassung seiner Aktivitäten verurteilt. Die Bot-Hersteller, die sich oft nicht nur die eigenen Taschen mit der Ingame-Betrügerei stopfen, sondern sich dabei auch noch auf der sicheren Seite sehen, werden – zu Recht – nun dafür immer häufiger zur Rechenschaft gezogen. Der Eingriff mittels Bot-Software stellt dabei nicht nur eine Verletzung der Vertragsbedingungen (EULA) dar sondern auch einen ungerechtfertigten Eingriff in die Schutzrechte des Spielherstellers und der Entwickler.Logo Gameslaw TM

 


09.03.2017, Nicolas Hermann, Michael Scheyhing