Rezension: Wandtke – Urheberrecht, 5. Aufl. 2016

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Urheberrecht – komplett.

Bei dem von Artur-Axel Wandtke herausgegebenen Buch handelt es sich um eine sehr wohl strukturierte und gelungene Gesamtdarstellung des Urheberrechts. Das Werk erfasst alle thematischen Facetten, die sowohl der Student des Urheberrechts als auch der Rechtsanwender kennen sollte. Das Buch ist als Lehr- und Studienbuch erschienen, dient aber durchaus auch dem Praktiker als Arbeitshilfe. In der nunmehr 5. Auflage wurde das Lehrbuch um aktuelle Rechtsfragen und deren höchstrichterliche Entscheidungen, Entwicklungen (z.B. im Hinblick auf die EU-Richtlinie 2014/26 zu den Verwertungsgesellschaften) sowie um internationale Fragestellungen erweitert. Mit der Neuauflage 2016 liegt ein knapp 600 Seiten starkes Stück Urheberrecht vor, das für ein Studienlehrbuch ziemlich komplex geraten ist (die 2. Auflage kam mit knapp 450 Seiten daher), dafür dem Fachanwalt hingegen aber auch noch gute Dienste leisten kann. Das Werk kostet 39,95 Euro und ist über den Verlag DeGruyter sowohl als klassisches Buch als auch als eBook erhältlich, eine Verbindung des Buchkaufs mit zusätzlichem eBook gibt es leider nicht. Der Preis ist für ein Lehrbuch eher im oberen Segment angesiedelt. Unter den Bearbeitern der 5. Auflage finden sich zwei Professoren und drei Rechtsanwälte. Die Bearbeiter im Einzelnen sind: Claire Dietz-Polte, Michael Kauert, Sebastian Schunke, Artur-Axel Wandtke und Kirsten-Inger Wöhrn (auf Titel wurde im Sinne der Lesbarkeit verzichtet).

Das Lehrbuch vermittelt durch die detailreichen und gut strukturierten Ausführungen sowohl dem Universitätstudenten auch dem Rechtsanwender die nötigen Wissensinhalte. Dabei umfasst die Einleitung bereits alles Notwendige um das Urheberrecht in seiner Komplexität verstehen zu können. In der weiteren Darstellung widmen sich die Autoren dem Begriff des Werkes als dem zentralen Element der Rechtsmaterie, den Urheberpersönlichkeitsrechten, dem Urhebervertragsrecht und den urheberrechtlichen Schranken. Anschließend werden die besonderen Aspekte des Urheberrechts wie Verwertungsgesellschaften, Softwareschutz und verwandte Schutzrechte, sowie die Durchsetzung, das Urheberstrafrecht und internationale Fragen behandelt.

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Wandtke Urheberrecht, 5. Auflage 2016

Am Ende jeder (Teil-)Einheit wird das Gelesene mittels kurzer, abstrakt gehaltener Fragen repetiert. Die Darstellung wird zudem von insgesamt 26 Fällen begleitet, die jeweils einleitende Fragestellungen aufwerfen und am Ende eines Kapitels ihrer Lösung zugeführt werden. Nach dem letzten Kapitel findet sich eine (sehr nützliche) Entscheidungssammlung, geordnet nach den Paragrafen des Urheberrechtsgesetzes, die zur weiteren Lektüre anregt und von jedem Studenten des Urheberrechts genutzt werden sollte um die wichtigsten Schlagworte zuordnen zu können. Wichtige Begriffe sind stets in Fettdruck gehalten, so dass hier zusammen mit einem Blick ins Inhaltsverzeichnis schnell die für den anzuwendenden Fall notwendige Passage gefunden werden kann. Die Autoren verzichten auf verklausulierte Sprache, was sich vor allem im Lesefluss und dem Verständnis positiv wiederspiegelt. Allerdings soll hier nicht der Eindruck erweckt werden, dass es sich um ein einfaches Nachschlagewerk handeln würde. Wer noch blank im Wissen ist, wird zwar seinen Sachverhalt zuordnen können, aber muss sich dennoch erst die durchaus komplexen, abstrakten Ausführungen der Problematik und derer Zuordnung im System des Urheberrechts stellen, um die Frage lösen zu können. Man mag diskutieren, ob das Buch mittlerweile für Studenten zu umfangreich wird. Meines Erachtens wiegt aber der Mehrwert, dass man Wandtkes Urheberrecht auch als Praktiker nutzen kann und die praktische nach Paragrafen des UrhG geordnete Liste von BGH-Entscheidungen am Ende – den im ersten Moment abschreckend wirkenden Umfang auf.

Das Lehrbuch weist im Gegensatz zu vielen seiner Art erstaunlich wenige Tippfehler auf, was hier einfach mal positiv hervorgehoben werden muss! Alles in allem ist Wandtkes Urheberrecht eine sehr gelungene und eingängige Darstellung einer oft auch von Anwälten nicht verstandenen komplexen Rechtsmaterie. Jedem, der sich eingehend und umfassend mit der Thematik beschäftigen will, sei dieses Werk angeraten. Abrunden würde das Werk noch der Bezug zu weiteren spielerechtlichen Themen wie die Einordnung von „Let´s Play“-Videos im System des Urheberrechts, welchen nach teilweiser Ansicht der Leistungsschutz des ausübenden Künstlers (§ 73 UrhG) zugutekommen soll.


[dr;tl]:

Wer nur ein (Lehr-)Buch für den Einstieg in das Urheberrecht sucht, der wird mit diesem sehr umfangreichen Werk wohl nicht glücklich werden, aber diesen Anspruch hat der Titel auch nicht: Wandtkes Urheberrecht richtet sich an die Studenten und Studentinnen, die sich im Schwerpunkt auf Urheberrecht spezialisieren oder an Rechtsanwälte, die eine Fachanwaltsqualifikation anstreben. All jene, kommen um den Titel wohl nur schwer herum. Der Preis mag für den Studenten hoch erscheinen, jedoch sollte man bedenken, dass sich hier zu sämtlichen (auch aktuellen) Aspekten und aufkommenden Fragen des Urheberrechts verständliche Antworten finden, was in der Form nur die wenigsten Kommentare zu leisten vermögen. Insgesamt ist der Titel im direkten Vergleich mit Konkurrenzprodukten sowohl als Lern- als auch als Handbuch sehr zu empfehlen.

Michael Scheyhing, 02.04.2016