Rezension: Redeker, Helmut – IT-Recht, 6. Aufl. 2016


Das aktuell in der 6. Auflage erhältliche Fachbuch „IT-Recht“ aus dem Verlag C.H. Beck, dort in der Reihe „NJW Praxis“ erschienen, nimmt sich zur Aufgabe, dem berufstätigen Rechtsanwender rechtliche Fragestellungen und alltägliche Probleme des IT-, Marken- und Wettbewerbsrechts sowie des e-Commerce nahezubringen. Auf 477 Seiten (bei der Zählung wurden Inhalts- und Sachverzeichnis nicht berücksichtigt) werden Themen rund um Softwareentwicklung, Internet und Datenschutz behandelt. Herausgeber Dr. Helmut Redeker ist Fachanwalt für IT- und Verwaltungsrecht sowie Diplom-Informatiker und berücksichtigt in der Neuauflage seines Werkes aktuelle Rechtsprechung, die Bearbeitung wurde im Juni 2016 abgeschlossen.

Inhalt

Das Werk beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Vertragsinhalten und -risiken im Bereich der Softwareentwicklung, den Schutzmöglichkeiten für Softwareentwickler und bietet zudem einen Überblick über aktuelle rechtliche Problemstellungen im e-Commerce und Wettbewerbsrecht. Es gliedert sich in 4 grundlegende Themengebiete:

  1. Der Schutz von Software
  2. Der Erwerb von Soft- und Hardware
  3. Spezielle Fragen
  4. Rechtsprobleme von Internet und Telekommunikation

Im ersten Bereich der Schutzmöglichkeiten wird auf die Regelungen des Urheber-,Patent-, Marken-, Halbleiterschutz- und Wettbewerbsrechts eingegangen. Ergänzend werden Regelungen des Delikts- und Vertragsrechts herangezogen. In der Folge werden Möglichkeiten der prozessualen Durchsetzung und möglicher Vollstreckungsprobleme behandelt.

Der zweite Abschnitt beschäftigt sich vornehmlich mit dem Vertragsrecht, den Voraussetzungen und Problemen bei der Gestaltung von Softwareerstellungs-, Wartungs- oder Mietverträgen. Es werden Leistungsstörungsrechte und einzelne Rechtsprobleme abgesteckt und besprochen. Abgeschlossen wird auch dieses Kapitel von einem prozessualen Teil, der sich hier insbesondere auf die Beweisproblematik im gerichtlichen Verfahren konzentriert.

Im dritten Abschnitt werden im wesentlichen drei Problemfelder behandelt: Die rechtliche Einordnung und Behandlung von Outsourcing-Verträgen, die Problematiken bei Vertriebsverträgen sowie das Thema Produkthaftung im IT-Bereich. Dieser Abschnitt ist deutlich kürzer gefasst als die vorhergehenden, bietet aber einen schnellen und aktuellen Überblick über diese Spezialgebiete.

Der letzte Abschnitt thematisiert insbesondere den Bereich e-Commerce und spannt einen weiten Bogen über allgemeine Problemstellungen bei Vertragsabschlüssen im Internet, geht detailliert auf Informationspflichten sowie Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen ein und bietet zum Abschluss einen Überblick über das sehr praxisrelevante Thema des gewerblichen Rechtsschutzes.

Im Anhang des Werkes ist schließlich eine oberflächliche, aber informative Zusammenfassung der anstehenden Änderungen durch die Datenschutz-Grundverordnung zu finden.

Darstellung

Die Gliederung der einzelnen Themen halten sich strikt an das Kredo „Vom Allgemeinen zum Besonderen“. Nach einer Einleitung in jedes Teilgebiet werden zunächst die rechtlichen Grundlagen erörtert, danach wird detailliert auf einzelne Problemfelder eingegangen, den Abschluss bilden regelmäßig Ausführungen zur prozessualen Durchsetzbarkeit und damit verbundenen Risiken.

Die einzelnen Abschnitte sind in sich kaum durch Absätze oder sonstige Formatierungen getrennt, so entstehen große Textblöcke, was auf den ersten Blick nicht zum Lesen einlädt. Jedoch vermeidet der Autor erfolgreich lange Bandwurmsätze und unterstützt den Lesefluss und das Verständnis durch sinnvolle Hervorhebungen in Fettdruck.

Angenehm flüssig thematisiert der Autor Problemstellungen und stellt neben der aktuellen Rechtsprechung auch die verschiedenen Literaturmeinungen in gebotener Kürze dar.

Sprachlich richtet sich das Werk zwar an den ausgebildeten Juristen, ist jedoch unkompliziert und ohne inflationäre Verwendung unnötiger Fachbegriffe auch für Neulinge auf dem Gebiet des IT-Rechts schnell verständlich. Querverweise sind durch die vorhandenen und durchgehend fortgeführten Randnummern leicht zu finden und sinnvoll gesetzt.

Fazit

Das Werk „IT-Recht“ versteht sich selbst als Einführung und Nachschlagewerk für Juristen, die sich in das Gebiet des ITK-Rechts einarbeiten möchten. Diese Aufgabe meistert es mit Bravour, gibt es einen klar strukturierten und verständlichen Überblick über die relevantesten Problemstellungen und bietet Lösungsansätze.

Für den erfahrenen Fachanwalt im IT-Recht ist das Buch allerdings bei Weitem zu oberflächlich. Eine vertiefte Behandlung der relevanten Felder erscheint bei einem Umfang von 477 Seiten jedoch auch schwer handhabbar.

Für den Praktiker eröffnet das Werk demnach einen guten Einstieg, auch als Vorbereitung für angehende IT-Fachanwälte eignet es sich bestens. Für die Verwendung in der täglichen Praxis fehlt es jedoch an konkreten Handlungsanweisungen oder Mustern. Die vorhandenen praktischen Hinweise erfüllen mehr eine Hinweisfunktion, eine vertiefende Recherche ist auch nach Lektüre des vorgestellten Werkes unabdingbar.

Insofern mag die Veröffentlichung in der Reihe „NJW Praxis“ leicht in die Irre führen. Jeder Leser sollte sich im Klaren sein, dass das Werk zwar gut auf die Praxis mit IT-rechtlichem Schwerpunkt vorbereitet, für den fortgeschrittenen Rechtsanwender jedoch auch als Nachschlagewerk kaum sinnvoll sein dürfte.

Vergleich mit dem Skript „IT-Recht“ der Universität Münster

Bei der Rezension eines Werkes über das IT-Recht stellt sich unweigerlich die Frage, wie groß der tatsächliche Mehrwert für den Erwerber ist im Vergleich zum kostenlos verfügbaren, ähnlich umfangreichen Skript zum IT-Recht von Prof. Dr. Thomas Hoeren. Dieses wird von der Universität Münster auf deren Website zur Verfügung gestellt und behandelt ähnliche Themengebiete wie das hier vorgestellte Werk.

Es werden Schutzarten vorgestellt, der Hauptteil des Skriptes dreht sich um die verschiedenen Vertragsarten sowie Haftungstatbestände. Im Gegensatz zum hier rezensierten Werk enthält das Skript auch Musterverträge, um das Gelernte anschaulich zu machen.

Ein merkbarer Unterschied ergibt sich daraus, dass das Skript eindeutig aus der Perspektive der Wissenschaft verfasst wurde. Lange Schachtelsätze, für juristische Fachartikel typische, umständliche Formulierungen sind vorherrschend. Im Gegensazt dazu ist das hier rezensierte Buch deutlich entschlackter, man merkt die Perspektive des Praktikers.

Ob sich die Anschaffung des rezensierten Werkes lohnt, richtet sich wohl maßgeblich danach, mit welcher Zielsetzung gelesen werden soll. Möchte man sich auf wissenschaftlicher, intensiver Ebene mit der Thematik auseinander setzen, so ist das Skript von Prof. Hoeren zu empfehlen. Für den Praktiker jedoch, der sich auf einen Lehrgang vorbereiten oder schlicht Erkenntnisse vertiefen möchte, ist das Werk von Helmut Redeker sowohl vom Schriftbild als auch den Inhalten her deutlich angenehmer zu lesen.

 


Rezension:
Redeker, Helmut
IT-Recht
C.H. BECK, 2017
6. Auflage

Softcover, 495 Seiten, 79,00 Euro
ISBN 978-3-406-68727-3


Nicolas Hermann, 22.09.2017