PS4 Pro – Gamestop und das Lockvogelangebot


Am 26.04.2017 sollte es los gehen: „alte Playstation 4 + 2 Spielen +99€ gegen die Playstation 4 Pro eintauschen“. Die alte Konsole loswerden und für nur knapp 100 Euro ein aktuelles Modell erhalten? Klingt super!

[ aktuelles Update zur Situation am Ende des Beitrags ]

Man mag sich fragen, wie ein Unternehmen, welches kürzlich noch von enormen Stellenstreichungen berichtete, plötzlich solche Subventionen ausschreiben kann oder auch nicht. Fakt bleibt, eine Konsole – selbst wenn man den hypothetischen Gegenwert eines Altmodells und der Spiele (also Marktwert, nicht, was man bei Gamestop dafür erhalten würde) gegenrechnet – für knapp 200 Euro unter dem aktuellen Marktverkaufspreis anzubieten, ist ein Glanzsstück!

PS4 Pro extrem günstig – Hatte Gamestop die erforderlichen Stückzahlen überhaupt vorrätig?

Dass sehr viele Gamer das Angebot auf ein Upgrade zu solchen Konditionen nutzen wollen würden war klar. Das Angebot selbst konnte auch nur im jeweiligen Ladengeschäft in Anspruch genommen werden. Das Problem: Bereits am 25.04.2017 häuften sich Beschwerden von Nutzern, dass das Angebot bereits ausverkauft sei, noch bevor es begonnen gehabt hätte. Mancherorts sei man bereits am 24.04.2017 ergebnislos aus dem Ladengeschäft getrabt. Auf der Facebook-Seite von Gamestop heißt es hierzu:

„Aufgrund der hohen Nachfrage zu unserem PS4 Pro-Angebot kann es in einigen Filialen vereinzelt zu Lieferverzögerungen kommen und die vorrätigen Konsolen sind daher schnell vergriffen.

Wir werden definitiv in der nächsten Woche eine Nachlieferung erhalten und setzen alles daran, jeden Kunden schnellstmöglich zu bedienen und entschuldigen uns für eventuelle Wartezeiten.“

Auf der Website erfährt man bei genauerem Hinsehen noch:

„*Alle Angebote gelten jeweils nur, solange der Vorrat reicht. Keine Mitnahmegarantie.“

Die Verbraucherzentrale erhielt derweil etliche Zuschriften und wurde auch bereits am Tag, an dem das Angebot startete tätig, indem Sie den Geschäftsführer der Gamestop Deutschland GmbH zu einer Stellungnahme aufforderte, da der Verdacht eines Lockvogelangebots vorliegt.

Was ist ein Lockvogelangebot?

Bei einem sogenannten Lockvogelangebot, bewirbt der Unternehmer ein Produkt, welches er auffällig günstig anbietet oder zu Konditionen, die sonst marktunüblich sind. Er beabsichtigt hierbei Kunden in sein Ladengeschäft oder Onlineshop zu locken. Da der Unternehmer aber auch wirtschaftlich denken muss, kann er Produkte nur in sehr begrenzter Stückzahl zu besonders günstigen Konditionen anbieten (mancher erinnert sich vielleicht noch an die beliebten Aldi-PCs, die innerhalb von Minuten ausverkauft waren). Somit finden sich zwar die Kunden im Geschäft ein, erhalten aber nicht das gewünschte Produkt. Die Idee dabei: Wer erst einmal im Laden ist, kauft schon irgend etwas.

Ein solches Vorgehen verstößt gegen die sogenannte Lauterkeit des Wettbewerbs, weil andere Unternehmer hierbei übervorteilt werden und kann durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) als verbotene irreführende geschäftliche Handlung geahndet werden.

Eine Stellungnahme sollte der Verbraucherzentrale bis heute 15:00 Uhr vorgelegen haben. Wir werden berichten, sobald es Neuigkeiten gibt.

[Update:]
Wie auf der Facebook-Seite Gamestops aktuell bekannt gemacht, sollen alle Kunden, die bis spätestens Samstag den 29.04.2017 eine Konsole bestellen, diese bis ca. Juni 2017 auch tatsächlich bekommen. Man verkürze die Aktion auf Grund des (erwarteten?) Ansturms auf dieses Angebot. Die Aktion endet jetzt zum Ladenschluss am Samstag den 29.04.2017 und geht nicht – wie angekündigt – noch zwei Wochen bis in den Mai. Die offensichtliche Reaktion auf all die Beschwerden veranlasste die Gamestop Führung nun, einen Deal mit Sony abzuschließen, die das Versprechen doch noch ermöglichen soll.

Wir finden: Gut, dass es jetzt doch klappt!
Aber: Warum nicht gleich so?
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Michael Scheyhing, 27.04.2017