Preisgeld im Ausland gleich doppelte Steuern?


Mit dem wachsenden Markt des E-Sports und steigenden Preisgeldern vergrößert sich auch das Interesse junger, ambitionierter Spieler, in den Profisport einzusteigen. Was als kleines Turnier in freundschaftlichen Umfeld beginnt, steigert sich zu großen nationalen und internationalen Wettkämpfen.

Wie die Preisgelder, die bei solchen Events gewonnen werden, zu versteuern sind, soll dieser Artikel näher beleuchten.

Steuerpflicht grundsätzlich unbeschränkt

 

In Deutschland lebende Personen sind unbeschränkt steuerpflichtig. Das heißt, dass sowohl ihre inländischen als auch ihre ausländischen Einkommen in Deutschland versteuert werden müssen.

Verdient man allerdings im Ausland Geld, will verständlicherweise auch dieser Staat Steuern auf das Einkommen erheben, dass auf seinem Gebiet erzielt wurde (Quellensteuer/ Territorialitätsprinzip).

Dadurch kommt es zu einer „Doppelbesteuerung“ des Einkommens. Um zu verhindern, dass tatsächlich zweimal Steuern gezahlt werden müssen, bestehen zwischen den meisten Ländern so genannte „Doppelbesteuerungsabkommen“. In Deutschland wird dies meist über den § 34 c EStG geregelt, über den die ausländische Steuer (oder Teile davon) auf die deutsche Einkommenssteuer angerechnet wird.

Deutschland hat Doppelbesteuerungsabkommen mit Ländern auf der ganzen Welt. Nur in afrikanischen und südamerikanischen Ländern bestehen wenige Doppelbesteuerungsabkommen.

 

Für die Versteuerung von im Ausland erzielten Preisgeldern sollte man sich unbedingt an einen Fachmann des jeweiligen Landes wenden.

 

Versteuerung in Deutschland

 

Fraglich ist, welcher Art der Versteuerung die Preisgelder in Deutschland unterliegen.

Naheliegend erscheint, E-Sportler als Sportler zu behandeln, wie es schon der Name impliziert. Allerdings sind E-Sportler in Deutschland nicht als Sportler anerkannt. Das Bundesverwaltungsgericht stimmte in seinem Spielhallenerlaubnisurteil vom 09.03. 2005 dem Oberverwaltungsgericht Berlin zu, dass auch wenn „Computerspiele unter Leistungskriterien veranstaltet würden und für bestimmte Spiele sogar Meisterschaften mit Preisgeldern in erheblicher Höhe stattfänden, die Nutzung eines PC zu Spielzwecken Unterhaltung und nicht etwa Teilnahme an einer sportähnlichen Veranstaltung darstelle.“

Dem ist entgegenzuhalten, dass auch bei anderen Sportarten das gelegentliche Spiel mehr der Unterhaltung, als der körperlichen Ertüchtigung dient. Der seit 2005, zugegebenermaßen, deutlich professionellere Betrieb des E- Sports hat aber für dessen Spieler nur noch so viel mit Unterhaltung zu tun, wie Fußball für Christiano Ronaldo. Schließlich erfordert E-Sport von den Spieler bis zu 10 Stunden Training pro Tag.

Prof. Dr. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln gab in einem Interview mit der FAZ an, dass er bei Untersuchungen an E- Sportlern ähnliche Stresspegel festgestellt habe, wie bei Sportlern in anderen Sportarten. Der Artikel in der FAZ spezifiziert nicht, welchem Genre die getesteten E- Sportler angehörten, denn mit Sicherheit wird dieses zwischen Spielern von Counterstrike, League of Legends oder Dota 2 und Hearthstone variiern.

Auf der anderen Seite legte 2016 der Wissenschaftliche Parlamentsdienst auf Anfrage der Piratenpartei ein Gutachten vor, dass aussagt, E- Sport wäre kein Sport im rechtlichen Sinne. Das Gutachten stützt sich dabei auf die Definition des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). Dieser sieht vor, dass die Sportart eine eigene sportartbestimmende motorische Aktivität eines jeden zum Ziel haben muss, der sie betreibt. Sportverbände in Schweden, Russland und Südkorea sehen dies allerdings anders und auch die Nationale Anti Doping Agentur in Deutschland (NADA) arbeitet seit 2015 mit der Electronic Sports League (ESL) zusammen.

Das Urteil von 2005 kann so heute m.E. nicht mehr stehen gelassen werden, allerdings ist das Thema, ob es sich bei E- Sport um Sport handelt weiterhin sehr umstritten. Bedenkt man aber andere Aktivitäten, die als Sport anerkannt sind, wie beispielsweise das Sportschießen, so spricht einiges dafür, auch E- Sport als Sport anzuerkennen.

Gewerbliche Einkünfte § 15 EStG

 

Trotzdem wird der Profi-E-Sportler, ähnlich wie der Sportler, grundsätzlich gewerbliche Einkünfte erzielen, da man ihm von vornherein eine Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr mit nachhaltiger Gewinnerzielungsabsicht unterstellt (§ 15 Abs. 2 S.1 EStG). Hierzu zählen auch Preisgelder, die gerade für Profis einen erheblichen Teil des Einkommens ausmachen können.

 

Freiberufliche Einkünfte § 18 EStG

 

Um freiberufliche Einkünfte zu erzielen, müsste ein E-Sportler unter einen der Berufe dieser Kategorie fallen. Weder Sportler noch E-Sportler gehören zu den freien Berufen. Die Tätigkeit des E-Sportlers müsste künstlerisch, unterrichtend oder erzieherisch sein, was in der Regel nicht der Fall ist. Einzig die künstlerische Tätigkeit käme in Frage, die allerdings, laut BFH, nur gegeben ist, wenn eine eigenschöpferische Leistung vollbracht wird, in der sich eine individuelle Anschauungsweise und eine gewisse Gestaltungshöhe widerspiegelt.

Eine eigenschöpferische Leistung ist beim Computerspielen nicht gegeben. Zwar wird in der Literatur eine eigene künstlerische Leistung der Spieler ähnlich der des ausübenden Künstlers diskutiert, dies ist jedoch abzulehnen.

Interessant könnte diese Regelung allerdings für Trainer oder Coaches sein, da diese eine gewisse unterrichtende Funktion innerhalb eines Teams einnehmen. Außerdem wird der Trainer in dem erweiterten Katalog der ähnlichen Berufe aufgeführt und genügt so in vielen Fällen den Anforderungen an den freien Berufen. Laut Bundesfinanzhof ist eine Tätigkeit dann unterrichtend, wenn es sich um „die Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Handlungsweisen und Einstellungen in organisierter und institutionalisierter Form handelt“. Darunter wird die Tätigkeit eines Coaches fallen. Es ist allerdings zu bedenken, wie auch der BFH anmerkt, dass je nach Schwerpunkt auch eine gewerbliche Betätigung vorliegen kann, sollte der Coach noch andere Leistungen anbieten.

 

Sonstige Einkünfte § 22 EStG

 

Auch wenn E-Sportler nicht als Sportler im rechtlichen Sinne gelten, so gibt es doch gewisse Parallelen, die für die steuerliche Erfassung herangezogen werden könnten.

Amateursportler, die den Sport aus reiner Liebhaberei betreiben und gelegentlich ein nicht einkalkulierbares Preisgeld gewinnen, müssen dieses nicht versteuern.

Dies wird aber dann verneint, wenn der Sportler einen Leistungsstandart erreicht, der häufiger zu Wettkampfsiegen und damit zu Preisgeldern führt. Bei diesen liegen dann sonstige Einkünfte vor.

Ähnliches könnte man auch beim E-Sportler annehmen, der bei seinem ersten oder zweiten Preisgeld vielleicht noch nicht mit diesem rechnen konnte, mit der Zeit aber den Bereich des Liebhabers verlässt und ein Niveau erreicht, welches rechtfertigt, die Einnahmen als einkalkulierbar anzusehen.

Herbert Mette, 06.10.2017