Pokémon Go Account-Verkauf – ist das legal?

Spielerecht Kontoverkauf

Pokemon Go Accounts auf eBay gesichtet – Preise von bis zu mehreren tausend Dollar möglich.

Kaum zwei Wochen steht der neueste Kampfstern am Himmel des Google Imperiums und sammelt fleißig Bewegungs- und sonstige Daten und natürlich das Geld der Nutzer. Niantic, die Mutter aller Pokemonjäger, ein Unternehmen, das 2010 als Niantic Labs @ Google gegründet wurde, beschert Nintendo und diversen anderen Marktteilnehmern und Trittbrettfahrern enorme Umsätze. Demnächst startet die Funktion der „sponsored locations“, bei der man sich dann ein besonders wertvolles Lavados vor seine Bürotür pflanzen und somit die Pokejünger in seine Reichweite locken kann. Das Rattenfänger-Prinzip funktioniert – allernorts sieht man an bekannten öffentlichen Spots die Pokejäger und ihre nur durch das Smartphone zum Leben erweckte Beute.

Und wie es bei erfolgreichen Spielen/Apps des Öfteren so ist, bleiben auch die in-game Geschäfte nicht lange aus. Auf eBay kann man bereits vermeintlich besonders wertvolle Accounts erstehen. Die Verkäufer offerieren hierbei die „Trainer“ inklusive der putzigen Tierchen und ihrer entsprechenden Levelerfahrung. Ob die Verkäufer rein aus monetären Gründen handeln oder schlicht der Bewegung überdrüssig sind, konnte anhand der Produktbeschreibungen nicht ausgemacht werden.

Ist der Account-Verkauf legal?

Grundsätzlich steht es dem Hersteller bzw. Rechteinhaber frei, über sein geistiges Eigentum zu Verfügen. Hierzu gehört auch die Software und sämtliche Urheber-, Marken-, Design-, Patent-, Lizenz-, Werktitel- und sonstige vorstellbare Rechte. Von einer „alle Rechte vorbehalten“ Klausel machen nahezu alle Unternehmen in ihren AGB bzw. EULA gebrauch. Das Account Selling bzw. Reselling ist nicht gern gesehen, da sich der Kunde am Produkt des Rechteinhabers bereichert. So auch bei Niantic. Neben diversen anderen Verboten, u.a. des üblichen Verbots jeglicher kommerzieller Nutzung (s.o.) verbieten die EULA Niantics (Stand 01.07.2016) den Verkauf des Accounts bzw. der erspielten in-game Items. Wörtlich liest man: „you agree that when using the Services and Content, you will not: … (c ) sell, resell, rent, or lease the App or your Account“. Der Verkauf des Accounts ist also ein klarer Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen, denen jeder Nutzer bei der Aktivierung der App zugestimmt hat.

Gameslaw Accountselling

eBay Angebote zu Accountverkäufen

Das sagt die Rechtsprechung

Der Verkauf von Game-Accounts kann ebenso wie der Verkauf von Spieleplattform-Accounts wie beispielsweise Steam rechtsgültig durch AGB und EULA verboten werden. Dies hat zuletzt das KG Berlin mit Beschluss vom 27.8.2015 – 23 U 42/14 bestätigt. Ein Erschöpfungsgrundsatz wie bei dem Verkauf von gebrauchter Software kommt bei Spielen oder Spieleaccounts nicht in Betracht, da diese nicht „in Verkehr gebracht“ werden, wenn der Programmcode lediglich auf die Endgeräte der Nutzer heruntergeladen wird.

Folgen eines Verkaufs

Der durch den Verkauf erlangte Gewinn ist unrechtmäßig erlangt und im Zweifel an den Rechteinhaber herauszugeben. Niantic hat das Recht auf Unterlassung des Verkaufs, Auskunft über den Umfang der Rechtsverletzungen und Schadensersatz. Jedoch ist eher nicht davon auszugehen, dass die Rechteinhaberin bei dieser Art der Geschäftemacherei jeden Account-Seller verklagt. Nintendo ist aber andererseits auch nicht dafür bekannt, Marken- oder Urheberrechtsverletzungen zu ignorieren. Inwieweit Niantic dieser Linie folgt kann nur gemutmaßt werden. Es ist aber davon auszugehen, dass der Handel mit den Accounts eher früher als später unterbunden werden soll. Es kann daher durchaus sein, dass die Angebote, schon allein wegen des Verstoßes gegen die eBay-Richtlinien, innerhalb kürzester Zeit wieder vom Markt verschwinden.

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Michael Scheyhing, 22.07.2016