Nintendo geht gegen Fan-Projekte vor


Nintendo ist als Verfechterin ihrer Rechte wohl bekannt. Neben diversen Let´s Play-Geschichten, Gerichtsverfahren zum Kopierschutz und anderer Rechte im Bezug auf das geistige Eigentum der ältesten am Markt noch bestehenden Konsolenherstellerin, macht „Big N“ in letzter Zeit vermehrt durch Abmahnungen nach dem US-Digital Millennium Copyright Act (DMCA) von sich reden.

Abmahnung nach dem DMCA

Nintendos Ermittlerteam, die hauseigene IP-Task-Force, ist bekannt dafür, dass sie Fan-Projekte bis zur Fertigentwicklung und Veröffentlichung in Ruhe gedeihen lässt und erst dann einschreitet. Dies hat für die Rechtsinhaberin den Vorteil, dass der Entwickler sich quasi jahrelang umsonst abmühte und die „Kudos“ nicht genießen kann. Nach den kürzlich erfolgten DMCA-Eingaben zur Löschung der Server- und Spiegelseiten der Fanprojekte zu Metroid 2 und Pokemon rückten nun mehrere hundert Projekte der Seite gamejolt.com ins Visier der Spielewächter. Gamejolt ist eine Plattform auf der Indie-Entwickler ihre Spiele veröffentlichen können. Wie auf Github bekannt wurde, bat Nintendo zur Löschung der rechtsverletzenden Projekte auf der Indie-Plattform. Unter anderem werden Rechte an den Marken Mario, Zelda und Pokemon geltend gemacht. Die Rechtsverletzungen erstrecken sich von der Musik über die Charakterdarstellungen bis hin zu ganzen Spielen. Der Anspruch richtet sich nach 17 USC § 512. Etwas über 560 Fan-Projekte wurden daraufhin von der Seite genommen.

AM2R

AM2R – das Fanprojekt ließ das Gameboy Spiel Metroid 2 in neuem 16-Bit Glanz erstrahlen.

Was passiert mit den Entwicklern?

Damit nicht genug, bekommen die Spieleentwickler in aller Regel nach dem berüchtigten Takedown-Letter an die Filehoster selbst Post vom Ermittler- und Anwaltsteam Nintendos, um die Verbreitung des Werks künftig zu unterlassen. Nintendo ist in der Regel nicht zimperlich und sehr klagefreudig wenn die eigenen IP-Rechte tangiert sind. Bei Nichtbeachtung der Aufforderungen folgt in aller Regel die Klage vor einem US-Gericht, bei der es dann auch um stattliche Schadensersatzsummen geht. Die Arbeit am durchaus sehr gelungenen Projekt AM2R wurde nach Angaben des Entwicklers „Doc“ deshalb nun eingestellt: „Nintendo of America, Inc. has filed a takedown request under the Digital Millennium Copyright Act. I received the request on my personal email, so I’m complying with their requests. There will be no more AM2R updates, and no more releases under any platform.“ Doc tröstet sich damit, dass er durch die Arbeit an dem Projekt programmieren lernte und inzwischen als professioneller Programmierer seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

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 Michael Scheyhing, 08.09.2016