Marketing meets Replay – Erneutes Softwarepatent für Ingame-Verkäufe


Activision und die Marketing-Abteilung

 

Vor kurzem berichteten wir über Activisions Vorstoß im Bereich des Marketing durch ein Patent, welches den Prozess des Matchmaking dazu nutzen könnte, Kaufanreize für neue Spieler zu setzen. Nun fällt ein weiteres Patent des Branchenriesen ins Auge, welches in eine ähnliche Richtung tendiert.

 

Spielzuganalyse leicht gemacht

 

Das Patent mit der Application-No. 20170113143 beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Analyse-Tools, welches dazu dienen soll, bestimmte Spielzüge – vor allem in E-Sport-geeigneten Titeln – aufzuzeichnen und somit nachvollziehbar und kommentierbar zu machen.

So sollen neben den bloßen Spielszenen, die aus einer Vielzahl von Kamerawinkeln betrachtet werden können, auch das jeweils verwendete Equipment sowie die spezifische Zusammenstellung von Fertigkeiten gespeichert und wiedergegeben werden können.

Für Kommentatoren, Let’s Player und (semi-)professionelle E-Sport-Teams birgt dieseTechnologie einen ungemeinen Mehrwert. Im Gegensatz zu reinen Replays können die damit erzeugten Szenen interaktiv betrachtet werden, es ist möglich, Notizen und Kommentare hinzuzufügen, die auch Dritten zugänglich gemacht werden können. Die Analyse bestimmter Szenen wird damit immens vereinfacht.

 

Cleveres Spielanalyse-Tool oder reine Marketing-Masche?

 

Doch Activision lässt es nicht allein dabei bewenden. Liest man die Patentschrift weiter, so wird deutlich, dass man sich im Hause Activision durchaus Gedanken darüber gemacht hat, wie diese Technologie zur Vermarktung von InGame-Käufen genutzt werden kann.

So besteht die Möglichkeit, die erzeugten Spielszenen mit Ingame-Shops zu verknüpfen. Der Spieler kann somit an bestimmten, markanten Szenen dazu aufgefordert werden, die gerade in der Szene eingesetzte Waffe im Shop oder gar reale Items wie Eingabegeräte zu erwerben. Dem Spieler soll damit die Möglichkeit gegeben werden, das eigene Spielerlebnis an das gerade Gesehene durch Erwerb der benutzten Items oder Fähigkeiten anzupassen.

Der Kauf selber kann dann – hinterlegte Kontodaten vorausgesetzt – direkt aus der Szene erfolgen. Neben dem Erwerb über ein eingeblendetes Transaktionsfenster soll der Vertragsschluss schon allein durch die Aktivierung einer eingeblendeten Schaltfläche – “Hotspot” genannt – erfolgen können.

Hier ergeben sich aus juristischer Sicht einige Probleme. So bestehen bei Fernabsatzverträgen gemäß § 312j BGB diverse Informationspflichten für Händler, die gegenüber Verbrauchern einzuhalten sind. Insbesondere muss über Zahlungsbedingungen und das Widerrufsrecht belehrt werden. Auch über Lieferbedingungen bei der Bestellung von realen Gegenständen muss aufgeklärt werden. Es bleibt abzuwarten, in welcher Weise die während einer Szene beworbenen Items erworben werden können und welche Einstellungen – unter Leistung welcher Informationen seitens des Anbieters – für eine solche “One-Klick”-Lösung notwendig sein werden.

 

Darf gleich ein Bisschen mehr sein?

 

Abgesehen vom Bewerben einzelner Gegenstände an bestimmten Stellen innerhalb der Spielszene besteht darüber hinaus die Möglichkeit, sogenannte “Loadout-Objects” zu generieren. Diese “Loadout-Objects” sind Pakete, welche bestimmte Bestandteile der jeweiligen Szene beinhalten, beispielsweise eine Zusammenstellung aller verwendeter Waffen oder Power-Ups. Diese “Komplettpakete” könnten dann als virtuelles Sammelobjekt oder als Skylanders-Figur verbreitet und auch gegen Entgelt vertrieben werden.

Erwerber solcher “Loadout-Objects” sollen dann unter anderem im Rahmen des Matchmakings solchen Matches zugelost werden, welche für das jeweilige Loadout als besonders positiv eingestuft werden. Durch so erzeugte positive Erlebnisse soll der Spieler in seinem Erwerb bestätigt werden.

 

Ein skeptischer Blick in die Zukunft

 

Ist die neue Technologie aus Spieler-, Trainer- und Kommentatorensicht sicherlich ein sinnvolles Instrument, um Aspekte des Spiels gezielt analysieren zu können, so bieten insbesondere die Kaufmöglichkeiten innerhalb der Spielszenen und ganz besonders die Möglichkeit des weitgehend automatisierten Erwerbs bei Aktivierung eines “Hotspots” Raum für Kritik. Es bleibt abzuwarten, ob die Entwickler und Publisher die bestehenden Informationspflichten ausfüllen können und wie transparent letztlich die Ingame-Shop-Verknüpfung ausgestaltet werden wird. Ein Grund zur Vorsicht besteht jedoch allemal, insbesondere im Hinblick auf das bereits besprochene Patent Activisions zum Thema Matchmaking.

 


Nicolas Hermann, 31.10.2017