Jugendschutz: Keine Call of Duty Montagevideos mehr bei Youtube?

Gewaltvideos bei Youtube beschränkt

Wenn es um den Jugendschutz geht, teilen sich die Welten: Spieler fühlen sich bevormundet, Mütter sind genervt, weil sie mit ihrem 13 jährigen Stepke wieder zum Saturn rennen müssen wegen dem „blöden roten Stempel“, Streamer wissen gar nicht, warum das für sie relevant sein sollte und Plattformbetreiber wie Youtube (Google) müssen irgendeinen Ausgleich finden zwischen den weltweit höchst unterschiedlich geregelten Jugendschutzvorschriften und den Interessen ihrer Werbekunden und Content produzierenden Mitgliedern.

Dabei ist zumindest in Deutschland der Jugendschutz sehr streng geregelt. Anbieter* von Inhalten (hier herrscht immer noch Streit, ob lediglich sämtliche Youtube-Uploader in der Verantwortung stehen oder die Plattformbetreiberin selbst mithaftet) dürfen z.B. keine USK18 Inhalte für Kinder und Jugendliche zugänglich machen, wenn diese Inhalte nicht entsprechend gekennzeichnet sind. Auch die Werbung für diese Inhalte – auf Plattformen wie Facebook – unterliegt entsprechenden Anforderungen.

Nun ist es aber hinderlich, wenn der Youtube-Kanal „nur für Erwachsene“ freigegeben ist oder man jedes Video umständlich nicht nur benennen sondern auch auf die USK Einstufung des Spiels hinweisen müsste. Also werden die (meist sowieso unbekannten) Jugendschutzvorschriften schlichtweg ignoriert. Zu Abmahnungen oder gar Strafverfahren kommt es meist mangels Relevanzeinschätzung der Behörden über die Reichweite des Uploaders eh höchst selten.

 

Youtube ändert seine Monetarisierungsregeln

Ein Ausgleich, welchen sich die Verantwortlichen ausgedacht haben, soll in „weniger Geld für Gewaltvideos“ liegen. So will man den Nutzern nicht vorschreiben, wieviel Gewalt sie in ihre Videos packen dürfen, mag das Ganze aber mit weniger Werbebezuschussung vergüten. Im Endeffekt werden also Videos in denen Gewalt gebündelt wird, dafür abgestraft.

Ob der Jugendschutz hierfür allerdings im Vordergrund stand, scheint höchst fraglich, schließlich kann man den eigenen Kanal für Minderjährige sperren. Youtube selbst reagierte wohl mit der Abstrafung von Gewaltinhalten eher auf die massiven Beschwerden von Werbetreibenden, welche sich nicht mit den in ihren Augen häufig anstößigen Inhalten in Verbindung gebracht sehen wollten. Deutsche Jugendschützer wird es trotzdem freuen. Wenn es ums Geld geht, möchte man bei Google eben auch nur das Beste. Folglich heißt es in den Werberichtlinien nunmehr:

Video content where the focal point is on blood, violence, or injury, when presented without additional context, is not eligible for advertising. Violence in the normal course of video gameplay is generally acceptable for advertising, but montages where gratuitous violence is the focal point is not.

 

Esport-Szene vor einem Problem

Wie in Fußballclips werden Esport-Videos in aller Regel auf ihre wesentlichen Inhalte zusammengeschnitten, um die Highlights des vergangenen Matches öffentlich zu präsentieren. Da die „Highlights“ eines Call of Duty, Counterstrike oder Battlefield Spiels aber darin bestehen, die Gegner möglichst kunstvoll und effektiv auszuschalten, mündet eine solche Clipmontage natürlich in einer Bündelung von Gewaltdarstellungen. Diese dürfte meist noch nicht unter den § 131 StGB fallen** ist aber im Regelfall eine drastische Aneinanderreihung von Tötungszenarien, wonach eine entsprechende Monterisierung solcher Videos wegfällt.

Youtube dürfte zwar bei den wenigsten Vereinen oder sonstigen Esport-Unternehmen eine Haupteinnahmequelle darstellen, aber selbst wenn die niedrige Vergütung wegfällt, wird sich der ein oder andere zweimal überlegen, ob er sich für die kunstvolle Montage eines Clips stundenlang vor den Rechner setzt.

 

Influencer dürfen Aufatmen

Es werden lt den neuen Richtlinien nicht alle Gewaltvideos abgestraft. So dürfen normale Let´s Play Inhalte und moderierte Streams von Spielen weiterhin von den hohen Nutzerzahlen und damit Werbeeinnahmen des Youtubers profitieren.

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* Hier wird wegen des Kontextes unter sämtlichen Anbietern lediglich auf Youtube Bezug genommen.
** Glücklicherweise spielt der Jugendschutz beim neu in Kraft tretenden Netzwerkdurchsetzungsgesetz (Netz-DG) keine Rolle, sonst müssten solche Videos regelmäßig durch Google rechtlich geprüft und im Zweifel massenhaft gelöscht bzw. gesperrt werden.

Michael Scheyhing, 07.06.2016