Jugendliche bei USK18 Turnieren – Jugendschutz im eSport


Dieser Artikel erschien in einer ausführlichen Version als Beitrag in MMR – Multimedia und Recht (Beck-Verlag – Paywall): Jugendliche bei eSport-LAN-Events.

Der eSport boomt. Nicht erst seit gestern, aber durch die zunehmende Medienaufmerksamkeit und -präsenz kommt es einem so vor, als ob dieses Phänomen plötzlich entstanden wäre. Vor gefühlt zwei Jahren verteufelte man noch die Mörder, die vor ihren Amokläufen wohl zumindest einmal einen First-Person-Shooter spielten, als sogenannte „Killerspieler“, heute verdienen die „Kellerkinder“ damit teilweise ihren Lebensunterhalt. Dabei hat sich nicht etwa die Einstellung der Menschen zu Videospielen verbessert, die Unbeteiligten und Vorurteilsbehafteten sind nur nicht länger so wirklich relevant. Der durchschnittliche Spieler ist heute nicht 15 sondern 35 Jahre alt und die Hauptwerbezielgruppe. Veranstaltungen im eSport-Bereich, bei denen Spiele mit unterschiedlichen Freigabeklassen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) nach § 14 Abs. 2 JuSchG gespielt werden, nehmen derzeit wieder zu, insbesondere durch die enorme Popularität der allerdings nicht ganz unumstrittenen Shooter-Serie „Call of Duty“. Nicht selten finden daher heute Turniere mit Spielen statt, deren Abgabe an Jugendliche nach § 14 Abs. 2 Nr. 5 iVm § 12 Abs. 3 JuSchG verboten ist. Dies ruft bei Veranstaltern und Teilnehmern regelmäßig rechtliche Unsicherheit hervor, wenn Jugendliche an so einem Turnier teilnehmen möchten.

Muttizettel hilft?

Einerseits wird von Betroffenen angeführt, man dürfe mit dem sogenannten „Muttizettel“ mit dem ein Erziehungsberechtigter die Teilnahme erlaubte, teilnehmen, eine andere Ansicht bemüht ein angebliches gesetzliches Verbot aufgrund der Kennzeichnung. Da entsprechende Verstöße nach § 28 Abs. 5 JuSchG mit einem Bußgeld von bis zu 50.000,00 Euro bedroht sind, ist die Thematik zumindest aus Veranstaltersicht nicht unproblematisch. Der Beitrag behandelt die Frage, unter welchen Voraussetzungen Jugendliche an Veranstaltungen, bei welchen Titel mit einer Freigabe „Keine Jugendfreigabe“ nach § 14 Abs. 2 Nr. 5 JuSchG, gespielt werden, teilnehmen dürfen und wie dies rechtlich auszugestalten ist.

Altersfreigaben nach dem JuSchG sind keine pädagogische oder gar gesetzliche Spielempfehlung. Sie sind schlicht ein Klassifizierungssystem für einen Versuch Spiele in ihrer Immersion – also Wirkungsmacht – einschätzen zu können und den Verkauf an von entsprechenden Altersklassifizierungen abweichenden Kindern oder Jugendlichen zu verhindern. Dass das Spielen dieser Titel gerade nicht per se von der USK Einstufung abhängt, zeigt das vom Gesetzgeber normierte Elternprivileg.

Zuverlässigkeit muss gegeben sein

Die Teilnahme von Jugendlichen an eSport-Veranstaltungen ist – bei der Einhaltung der speziellen Anforderungen – nicht so problematisch, wie es häufig dargestellt wird. Bisher herrscht allerdings dennoch maßgeblich die Auffassung unter den Veranstaltern vor, dass man Minderjährige generell von solchen Events lieber ausschließt, um jedem Problem von vorneherein auszuweichen.

Wie die Darstellung zeigt, reicht im Regelfall eine gesetzesorientierte Ausgestaltung der Veranstaltung. Jugendliche können der Veranstaltung mit der glaubhaft gemachten Erziehungsbeauftragung beiwohnen und auch an Wettbewerben in Spielen teilnehmen, deren Altersklassifizierung sie unterschreiten. Die dann jedoch notwendige erziehungsbeauftragte Person selbst, sollte über die erforderliche Zuverlässigkeit verfügen und den Auftrag ernst nehmen. Im Zweifel haftet diese Person für den minderjährigen Begleiter.

Den gesamten Artikel können Sie unter MMR-Aktuell, 382190 abrufen oder bei Interesse bei uns per Email anfordern.

Logo Gameslaw TM


Michael Scheyhing, 13.11.2016