Ist Cheating strafbar? – Betrüger werden zur Kasse gebeten


 

Fast jeder Gamer hat sie schon einmal in einem Spiel benutzt: Cheats.

Ob man nun den Bau in The Sims durch „rosebud“ erleichtern wollte oder eine schwierige Mission in Age of Empires durch eine Armee „Big Daddys“ lösen ließ.

In einem Single Player Spiel, mit vom Hersteller eingeführten Cheatcodes ist dies auch unbedenklich. Problematisch wird es aber, wenn man in den Mehrspielerbereich, besonders im PvP (Player versus Player) cheatet. Der Spielspaß der anderen Spieler leidet darunter und der kommerzielle Erfolg des Spiels kann schnell in Gefahr geraten. Zusätzlich kann es in Spielen, die im E-Sport gespielt werden zu Schäden durch unrechtmäßig erhaltene Preisgelder kommen.

Die beiden relevantesten Arten des Cheating sind die Manipulation des Spiels oder des Spielstandes und das „Boting“.

Spieleentwickler reagierten in den letzten Jahren vor allem mit rigorosen Ingame Strafen, von Verwarnungen, bis hin zu einer lebenslangen Sperrung des Accounts.

Doch vor kurzem hat Epic Games versucht zwei Cheater auch außerhalb des Spiels zur Verantwortung zu ziehen. Sie verklagten die Spieler auf Schadenersatz wegen der Manipulation des Spielcodes und der, ihrer Meinung nach, damit einhergehenden Urheberrechtsverletzung.

Besteht auch in Deutschland die Möglichkeit in dieser Art und Weise gegen Cheater vorzugehen?

Es bestehen zumindest mehrere Anspruchsgrundlagen, die eine Schadenersatzforderung möglich machen könnten. Neben der speziellen Vorschrift des § 97 Abs. 1 aus dem Urheberrechtsgesetz, kämen auch Ansprüche gem. § 823 BGB und § 280 Abs. 1 BGB in Verbindung mit den Nutzungsbestimmungen des Spieleherstellers in Betracht.

Manipulation des Spiels – Eingriffe in den Quellcode

Die Manipulation des Spiels oder des Spielstandes erfordert meist einen Eingriff in die Codierung des Spiels. Dies ist zwar für den Durchschnittsspieler kaum durchführbar, da ihm das nötige Fachwissen fehlt, es gibt aber viele Unternehmen, deren Geschäftsmodell in der Bereitstellung von Cheatsoftware besteht, die gerade dies für den Gamer übernimmt. Aber besteht für den Entwickler die Möglichkeit dies vor Gericht gegen den Spieler zu verwenden?

Nach § 97 Abs. 1 S.1, Abs. 2 UrhG ist wer vorsätzlich oder fahrlässig das Urheberrecht verletzt dem Verletzten zum Schadenersatz verpflichtet.

Computerspiele sind als Multimediawerke urheberrechtlich geschützt.

Schon 2012 entschied das Hamburger Oberlandesgericht (Urt. v. 23.04.2012 AZ.: 5U 11/11) im Falle einer Cheatsoftware für die PSP (Playstation Portable), dass eine Urheberrechtsverletzung vorliege, denn die Veränderung der Software stellte nach Auffassung des Gerichts eine Umarbeitung gem. § 69 c Nr. 2 UrhG dar. Laut Begründung sei der Begriff der Umarbeitung weit zu verstehen und umfasse jeder Art der Veränderung. Greift man also durch ein Programm oder eine selbst in das Spiel ein und verändert man es zu seinem Vorteil, begeht man damit eine Urheberrechtsverletzung. Schwieriger wird es über diese Vorschrift das Boting zu bestrafen.

Makros & Bots – Die kleinen Helferlein

Beim „Boting“ setzt der Spieler ein Programm ein, dass die Ausgaben des Spiels analysiert und reagiert mit simulierten Eingaben. Am bekanntesten ist wohl der Aimbot, der dem Spieler deutlich schneller und präziser Zielen und Schießen hilft. Diese Bots greifen aber nicht in das Spiel ein, sondern lesen es nur aus, verändern es also nicht.

Eine Urheberrechtsverletzung liegt also nicht vor. Trotzdem kann es zu einer Klage kommen, denn der Spieler ist meist auch durch die Nutzungsbestimmungen des Herstellers dazu angehalten, nicht zu betrügen und dies kann in Verbindung mit § 280 Abs. 1 BGB ebenfalls zu Schadenersatzansprüchen führen.

Selbst wenn das Cheaten nicht ausdrücklich in den Nutzungsbestimmungen verboten ist, besteht die Möglichkeit einen Schadensersatz zu fordern, wenn man annimmt, dass es unausgesprochen zum Vertrag mit dem Spielehersteller gehört, dass man im Spiel nicht betrügt.

In beiden Fällen ist der Schaden allerdings schwieriger zu ermitteln, als im Falle einer Urheberrechtsverletzung.

Für Cheaten in den Knast?

Aber es kann noch schlimmer kommen. Das Urheberrechtsgesetz enthält auch Strafvorschriften. Zum Beispiel den § 108 b Abs. 1 Nr. 1 UrhG. Umgeht man beim Cheaten eine Vorrichtung, die den Quellcode schützen soll, kann dies mit einer Haftstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden.

Cheating kann also in vielen Fällen zu Schadensersatzansprüchen des Herstellers gegen Spieler führen und in manchen Fällen sogar Haftstrafen nach sich ziehen und sind deshalb nicht zu empfehlen. Auch weil der Spielspaß für alle Anderen sinkt und eigentlich ist ehrlich gewinnen doch sowieso viel befriedigender.

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Herbert Mette, 18.11.2017