Good night, good luck: Dying Light – runter vom Index?

Let´s Play im Lichte des Jugendschutzes

Die BPJM ist immer wieder Aufreger in der Gameszene. In den letzten Jahren allerdings hatte sie so gut wie nichts zu indizieren. Das liegt einerseits am geänderten Gesellschaftsbild (Gewalt in Medien wird in der Gesellschaft weitgehend akzeptiert und man ist daran gewöhnt) und andererseits an der USK. Die USK hat ihre eigenen Statuten, nach denen sie Spiele für den Markt freigibt. Diese sind aber – wie wir an diversen Beispielen in den letzten Jahren gesehen haben – nicht in Stein gemeiselt. Und so rutscht schon auch das eine oder andere (offensichtlich) jugendgefährdende Spiel durch die Kontrollmechanismen und erhält den roten „ab 18“ Stempel aufgedrückt. Eine Indizierung wird damit so gut wie unmöglich: ein potentieller Antrag würde zunächst an Formalien scheitern.

Weniger Indizierungen

Wurden in der letzten Konsolengeneration noch Titel wie Mortal Kombat (2011) und Wolfenstein (2009) wegen Gewaltverherrlichung auf Listenteil B indiziert, hörte man in der aktuellen Konsolengeneration nur vereinzelt von Listenaufnahmen. Neben Mortal Kombat X (2015) und einigen weiteren Spielen mit geringerer Aufmerksamkeit galt Doom (2016) als quasi sicherer Indexkandidat. Auch hier erhielt aber das Spiel lt. Bethesda eine USK-Freigabe. Man bekommt den Eindruck: Gewalt ist nicht mehr schlimm, solange sie sich nur in einer Art Phantasiewelt spielt. Der nahezu inhaltsgleiche Vorgänger des jetzt mit USK18 freigegebenen Beat ´em ups wurde mit der genau gegenteiligen Argumentation damals auf Listenteil B verbannt. Der Jugendschutz hat sich also den Spielen angepasst. Die Entscheidungskriterien der beiden Spiele zugrunde gelegt, stellt sich daher die Frage, warum werden (bleiben) Zombiespiele wie Dying Light oder Dead Island weiterhin indiziert? Zum einen sind natürlich die Publisher geneigt möglichst wenig monetäres Risiko einzugehen, wenn es um die Spieleveröffentlichung geht. Ist ein Titel erst einmal indiziert, bedarf es eines spezialisierten Anwalts, der ein gut begründetes Nachprüfungsverfahren anstrengt. Beides kostet Geld. Und solche Nachprüfungsverfahren kann man auch nicht nach belieben betreiben, es gibt gewisse Fristen, an die man sich halten muss, wenn nicht besondere Umstände vorliegen. Gegenüber den erteilten USK-Spielen bleibt dennoch eine Besonderheit bei Zombie-Spielen wie Dead Island und Dying Light gegenüber den genannten. Man spielt in der Ego-Perspektive (anders als bei Mortal Kombat X), was prinzipiell mehr Anspannung und Handlungsdruck beim Spieler auslöst, zudem kämpft (tötet) man stets gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen (anders als bei Doom), was eines der Hauptkriterien für eine Jugendgefährdungsbeurteilung darstellt.

Mehr erfolgreiche Nachprüfungsverfahren

Heute, am 26.02.2016 wird die ungeschnittene Version von Fallout 3 vom Index genommen. Grund für den Nachprüfungsantrag von Zenimax Media (Bethesda) war, dass das Spiel aufgrund des neuesten, sehr erfolgreichen Ablegers der Serie: Fallout 4 neue Wertschöpfungsoptionen erhielt. Unter anderem argumentierte man damit, dass Handlungen (Abtrennen von Körperteilen) der indizierten Version in neueren Spielen nicht zu einer Indizierung führten. Solche, anhand der Spruchpraxis der BPJM geführten Begründungen führen häufig zu erfolgreichen Listenstreichungen, da sich die BPJM stets auch an ihren eigenen Entscheidungen messen lassen muss. Ob eine Nachprüfung im speziellen Fall erfolgreich sein würde, kann nur vermutet werden. Techland könnte aber, dank des doch sehr erfolgreichen Spiels, ruhig mal einen Versuch wagen und somit potentiell eine weitere wegweisende Entscheidung herbeiführen.


Bild: Promomaterial von Techland
Michael Scheyhing, 26.02.2016