Game-Modding & Unlock All

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Unlock All Modifikationen für Multiplayer Spiele sind beliebt. Garantieren sie doch schnellen Erfolg und „Prestige“.

Es gibt sie wie Sand am Meer. Facebook-Nutzer, die behaupten, sie könnten Eure Spiele verbessern. Gegen Bares – versteht sich. Ob das wirklich funktioniert? Wollten wir nicht testen. Einerseits wegen dem Verlustrisiko am schnöden Mammon, andererseits der mühsam aufgebauten Spielebibliothek bei PSN und Xbox Live.

In einer mittlerweile unüberschaubaren Anzahl an Facebook-Gruppen, die sich in aller Regel irgendetwas mit „Modding“ oder „Unlock-Service“ nennen, tummeln sich etliche Tausend Mitglieder um ihre Spiele und Konsolen untereinander zu „modden“. Auch in fachfremden Gruppen und Foren findet man enstprechende Anfragen.

Was steckt dahinter?

Zunächst ist der Begriff unbestimmt. Modding kann jede Modifizierung einer Konsole, eines Spiels oder sonstigen Codes sein. Hier ist nicht vom Konsolen-Modding die Rede, bei dem man das System selbst für Homebrew oder anderen Code öffnet. Auch die Modifizierung des gesamten Spielcodes wie man es vom PC her kennt ist nicht gemeint. Modding bezieht sich in diesem Fall auf einen simplen Spiel-Hack: Es wird der vom Nutzer zur Verfügung gestellte Accountname und dessen Passwort genommen und mittels eines vorgefertigten kleinen Programms (Modding-Tool) versucht in den serverseitigen Spieleraccount einzubrechen und dort die Daten des fraglichen Spiels zu verändern. Da die Server relativ zugänglich sind, sollte zumindest der Zugriff auf das Spielerkonto durchaus möglich sein. Inwiefern dort Daten verändert werden können, ist fraglich. Es gibt zwar Nutzer, die vom Erfolg des Moddings überzeugt sein wollen. Es gibt aber ebensoviele, die davon berichten, dass die ganze Geschichte reine Bauernfängerei sei. Gesicherte Erkenntnisse erlangt man wohl nur durch den Realakt.

Wer macht sowas?

Die Nutzer, die solche Dienste anpreisen sind in der Regel männlich, jugendlich und haben eingängige Facebook-Nutzernamen. Die Nutzer, die solche Dienste nutzen ebenfalls. Klischee bestätigt. Kosten will der Service je nach Angebot zwischen 5 und 20 Euro. Bezahlt wird über Paysafe-Karten (Paypal fällt wohl aus, wegen dem lästigen Käuferschutz). Das Geld ist dann auf jeden Fall weg, egal ob es funktioniert oder nicht.

Was habe ich davon?

Wenn der Hack klappen sollte, gibt es im gewünschten Spiel alles was das Herz begehrt. Den höchsten Betrag an Geld, die besten Waffen, das schönste Outfit, die beste Rüstung, das höchste Level. Man erreicht also alles, was man sonst nur durch langes aktives Spielen erreichen kann, innerhalb weniger Minuten. Ob man so spielen möchte, ist eine andere Frage. Wir haben uns aber sagen lassen, dass es wohl schon besser sei, das alles nicht aktiv freispielen zu müssen, da man erst im Endgame so richtig loslegen könne.


Ist das erlaubt?

Jetzt kommen wir zur eigentlichen Kernfrage: der rechtlichen. Zu betrachten wird der Vorgang sowohl zivil- als auch strafrechtlich sein.

Zivilrechtliche Probleme

Zunächst betrügt man sich durch den „Unlock All“ erst einmal selbst. Das darf natürlich jeder halten wie er will. Allerdings betrügt man natürlich auch irgendwie die anderen Spieler. Wenn ich als „ehrlicher“ Spieler nur noch Betrügern gegenüber sitze, die sich mit Geld unfaire Spielvorteile erkauften, werde ich schnell die Lust am Spiel verlieren. Und dadurch entgehen dem Spielehersteller potentiell (oder auch reell) Verkaufserlöse. Der Vertragsbruch* kann vom einfachen Bann bis zum Verlust des gesamten Systemaccounts führen. Entsprechende Urteile bezüglich der Rechtmäßigkeit solcher Kontosperrungen sind bereits ergangen. Falls eine Abmahnung ins Haus flattert, dürfte das noch das geringste Übel sein. Schwerwiegender wird es, wenn gerichtlich gegen die Modder vorgegangen wird. Insgesamt kann unter gewissen Aspekten durchaus neben dem obligatorischen Unterlassungs- auch ein Schadensersatzanspruch des Spieleherstellers bzw. Diensteanbieters auf die Beteiligten zukommen. Dies wurde unter anderem bei der Frage der Bots in World of Warcraft schon einmal von deutschen Gerichten zu Lasten der Bot-Hersteller entschieden. Der Bot-Hersteller wurde dazu verurteilt, mehrere hunderttausend Euro an Blizzard zu zahlen.

Dass die Modder – entgegen eigener Annahmen – nicht anonym sind, bewies der Fall Lizard Squad. Dort hatten selbsternannte Hacker mittels eines Tools mehrere prominente Internetauftritte lahmgelegt. Die Spuren die die Tools hinterließen, führten die Fahnder schließlich zu den Delinquenten.

Strafrechtliche Probleme

Im Strafrecht kommen wir gleich mit mehreren Tatbeständen in Berührung. Einerseits liest man immer wieder von sogenannten „Ziehern“, die dann den Nutzeraccount einfach übernehmen indem sie die zur Verfügung gestellten Zugangsdaten verändern. Hier ist an Tatbestände des Betrugs nach § 263 StGB, des Computerbetruges nach § 263a StGB, des Ausspähens von Daten nach § 202a StGB, der Fälschung beweiserheblicher Daten nach § 269 StGB sowie der Datenveränderung und der Computersabotage nach §§ 303a Abs. 1, 303b Abs. 1 Nr. 1 StGB zu denken. Eine Strafverfolgung ist aber erst zu befürchten, wenn Geschädigte oder die Netzwerkbetreiber anzeigen, was wohl nur in den seltensten Fällen vorkommt, aber durchaus eine Möglichkeit darstellt. Anschließend werden häufig noch diverse Beleidigungen ausgetauscht oder die „Zieher“ oder Opfer öffentlich denunziert. Hier besteht natürlich auch die Gefahr, vom potentiell Verletzten bei den Strafverfolgungsbehörden angezeigt zu werden.

Und wenn gar nichts kommt, dann kommt die Steuer.

Jede Einnahme ist grundsätzlich relevant für die Einkommenssteuer. Es gibt keine Ausnahme bei illegalen oder sonstwie sittenwidrigen Geschäften. Insbesondere bei Anbietern, bei denen es vom Hobby-Hacker schon zum Profi-UA reichte, dürften im Falle eines Falles die Steuerbehörden hellhörig werden. Spätestens wenn sie erfahren was mit dem Unlock-Mod so alles eingenommen wurde. Entsprechende Facebook-Profile bieten gute Anhaltspunkte für die Fahnder. Der Profi-UA prahlt ja gerne mit seinen Erfolgen. Wenn die Angaben des Ali K.** zu seinen Umsätzen stimmen, dürften an guten Tagen durchaus 100 Euro und mehr zusammen kommen. Bei ALGII-Beziehern steht zusätzlich ein Sozialbetrug im Raum.


13.12.2015, Michael Scheyhing
Foto: Activision Pressematerial

*vgl. Punkt 6 der Playstation Softwarenutzungsbedingungen, sowie Punkt 8 des Microsoft Servicevertrags.
**Name aus rechtlichen Gründen gekürzt.