ESL-Meisterschaft erstmals mit gesenkter Altersgrenze

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Erstmals Bestrebungen zur Unterschreitung der USK-Empfehlung auf Großveranstaltungen

Die Winter-Meisterschaften der Electronic Sports League (ESL) im Jahr 2016 fanden am 26. und 27. November in Duisburg statt und brachten eine interessante Neuerung mit sich: Im Gegensatz zu bisherigen Veranstaltungen sollten bei den Final-Spielen in Duisburg Zuschauer bereits ab 14 Jahren teilnehmen dürfen. Dass dies leider nicht tatsächlich so von statten ging, ist aus bisher unbestätigten Quellen wohl einer Beschwerde örtlicher Behörden zu verdanken. Selbst wenn die Ankündigung letztlich also nicht durchgehalten wurde (aus welchem genauen Grunde auch immer), ist diese Entwicklung hin zu einer Liberalisierung bei Veranstaltungen für eSportler wie Veranstalter von Turnieren gleichermaßen wegweisend.

Grundsätzlich richtet sich der Zugang von Minderjährigen zu Veranstaltungen, auf denen potenziell jugendbeeinträchtigende Inhalte gezeigt und gespielt werden nach dem Jugendschutzgesetz (JuSchG). Überdies ist beim Streamen von Veranstaltungen in die Veranstaltungsräumlichkeiten oder per Datenübertragung ins weltweite Internet der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) und hier insbesondere , § 5 Abs. 1 JMStV einschlägig. Demnach hat der Veranstalter dafür Sorge zu tragen, dass Medien, die geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu beeinträchtigen, von diesen üblicherweise nicht wahrgenommen werden. Der Begriff der “Eignung” ist dabei nicht abschließend definiert, vielmehr enthält § 5 Abs. 2 JMStV eine Vermutung. Die Eignung zur Beeinträchtigung von Minderjährigen kann sich demnach aus der jeweiligen Freigabeklasse nach dem Jugendschutzgesetz ergeben. Diese Alterseinstufung ist in § 14 JuSchG geregelt und wird im Spielebereich durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) durchgeführt.

Somit richtete sich bisher die Altersgrenze bei Großveranstaltungen durch die Betreiber der ESL, Turtle Entertainment GmbH, auch für Zuschauer nach der jeweils höchsten USK-Kennzeichnung gezeigter Titel.

ESL in Kooperation mit der USK

Unter dieser Prämisse wären die Wintermeisterschaften der ESL in Duisburg bemerkenswert, denn obwohl neben Fifa 17 und League of Legends der Titel “Counterstrike: Global Offensive” – USK-Freigabe “ab 16 Jahren” – gespielt wurde, hätten Zuschauer bereits ab 14 Jahren eingelassen werden können. Der Grund hierfür liege nicht nur in der durch die Mitgliedschaft bei USK.online begründeten Zusammenarbeit zwischen dem Veranstalter ESL und der USK, sondern in der unterschiedlichen Wirkungsmacht, die vom unterschiedlichen Konsum ausgehe, so ein Pressebericht. Wie bereits erwähnt, wurde die Ankündigung nicht durchgehalten. Sämtliche Berichte wurden gelöscht und weder die ESL noch die USK hat hierzu eine Stellungnahme abgegeben. Am Zutritt gehinderte U16-Zuschauer sollen laut einer gesicherten Quelle zumindest für die unnütz aufgewendeten Eintrittsgelder entschädigt werden. Eine darüber hinausgehende Entschädigung bezüglich Anfahrtskosten, Freizeitaufopferung etc, sollte man als Geschädigter durchaus in Erwägung ziehen.

Das Vorhaben deckte auch die von uns seit längerem vertretene Auffassung, dass bei unterschiedlicher Mediennutzung oder der Nutzung in einem neuen Werk, nicht die in § 5 Abs. 2 JMStV normierte Vermutung zwingend durchgreift. Dies bestätigt auch die seit Oktober geänderte Fassung des JMStV, der bei Zweifeln über die Inhaltsgleichheit eine Entscheidung der Komission für Jugendmedienschutz (KJM) verlangt. Die Vermutung des § 5 Abs. 2 JMStV wird damit insofern abgeschwächt, als dass im Einzelfall geprüft werden kann und muss, ob eine hohe USK-Einstufung gespielter Titel automatisch bestimmte Zuschauergruppen ausschließt. Nicht zu vergessen ist außerdem das Elternprivileg, welches auch im JuSchG durchaus auf entsprechend gekennzeichnete Spiele Anwendung findet.

Dass “beim passiven Zuschauen eines Computerspiels […] eine geringere Jugendschutzrelevanz” anzunehmen sei, ist eine den elektronischen Spielen immanente Logik. Die Einstufung der USK beruht schließlich in weiten Teilen auf der Wirkungsmacht eines Spiels auf den Spieler (welche sich freilich etwa durch den Einsatz von Virtual Reality – etwa bei Resident Evil VII – noch verstärken kann), der durch verschiedenste Spielsituationen in körperliche und psychische Anspannung versetzt wird, was die entsprechende Beeinträchtigung überhaupt erst hervorruft. Nicht anders lässt sich zum Beispiel erklären, dass die Darsteller in “The walking dead” im Free-TV schier unerschöpfliche Zombiehorden niedermetzeln dürfen, selbiges für Videospieler aber regelmäßig als jugendgefährdend nach § 18 JuSchG eingestuft wird und daher für Jugendliche unzugänglich gemacht werden muss.

eSport auch gesellschaftlich anerkannter

Trotz des letztlich klammheimlichen Rückzugs der ESL in dieser Thematik: Jedenfalls war der Vorstoss ein Schritt in die richtige Richtung, welcher das Thema eSport auch einer breiteren Masse zugänglicher machen kann. Flammte neulich noch kurz die Killerspieldebatte auf, weil wieder irgend ein armer Irrer vor seinem Amoklauf ein Spiel aktiv gespielt hätte, was Pro7 dazu veranlasste die E-LEAGUE aus dem erst kurz zuvor geänderten Nachtprogramm wieder zu entfernen, ging Turtle Entertainment mit der USK-Mitgliedschaft und der dadurch verbesserten Beratung in Jugendschutzbelangen (sie haben jetzt auch einen Jugendschutzbeauftragten bestellt, dessen Nennung (im Impressum der Website) bereits seit 01.10.2016 verpflichtend ist) den entgegen gesetzten Weg.

Dennoch, aus Veranstalterperspektive ergeben sich bei einer USK-Unterschreitung aber auch entsprechend erhöhte Pflichten. So muss die Alterskontrolle stärker auf den Alkohol-Ausschank und abendliche Sperrzeiten gerichtet werden, sofern diese einschlägig sind. Auch die übrigen Voraussetzungen nach dem JuSchG müssen stets gewährleistet sein.

Gerne beraten wir sie in rechtlicher Hinsicht zu allen relevanten Themen rund um den eSport und stehen Ihnen bei jugendschutzrelevanten Fragestellungen zur Seite.

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06.12.2016, Nicolas Hermann / Michael Scheyhing
Anmerkung: Der Beitrag musste aufgrund von neuen Erkenntnissen geringfügig angepasst werden, wurde jedoch in seinem Sinngehalt nicht verändert (letztmalige Aktualisierung vom 09.12.2016).