Dead Rising 4 – wird der Titel indiziert?

Dead Rising 4 Gameslaw

Dead Rising 4 Ankündigung:

Erste Screenshots des vermutlich auf der E3 2016 anzukündigenden Titels Dead Rising 4 des Publishers Capcom sind im Umlauf. Spekulationen, ob die USK dem Titel gemäß der vergangenen Entscheidungen zu Doom und Mortal Kombat X ein 18er Siegel (keine Jugendfreigabe gem. § 14 JuSchG) verpassen wird und damit der Einzelhandel den Titel unproblematisch in die Verkaufsräume stellen darf, waren schnell zu lesen.

Nach hiesiger Auffassung kann dem Titel aber keine USK-Freigabe zuteil werden. Eine Indizierung ist wahrscheinlich. Warum, das lest ihr im Folgenden:

Indizierungswahrscheinlichkeit

Vorneweg: Natürlich kann keiner die Entscheidung der BPjM und der USK genau vorhersagen. Dort sitzen Menschen in Gremien, die nach ihrer freien Meinung entscheiden. Man kann aber aufgrund vergangener Entscheidungen und angewandter und anzuwendender Kriterien eine Prognose abgeben.

Dead Rising 4 - Doom Spielerecht Indizierung

Dead Rising 4

Anwendung der Entscheidungskriterien von Doom

Die Darstellung der Gewalt in Doom ist lt. USK drastisch und brutal, hat jedoch keinen selbstzweckhaften Charakter (anders noch die Entscheidung der BPjM zum Original Doom). Es könne kein “Lustanreiz an brutaler Gewaltdarstellung” vermittelt werden, weil das Horrorsetting und die Schnelligkeit des Erlebens diesem entgegenstünden. Die äußerst brutalen Nahkampfangriffe seien “überzeichnet” und würden somit die Fiktion der Spielhandlung unterstützen. Zudem liege keine Menschenähnlichkeit der Gegner vor.

Es sei erwähnt, dass die Menschenähnlichkeit der Gegner in jeder Entscheidung eine maßgebliche Rolle spielen. Je ähnlicher die zu metzelnden Horden sind, desto wahrscheinlicher ist die Gefährdung einer sogenannten “Verrohung” nach den gängigen Kriterien (§ 18 Abs. 1 JuSchG).

Da die Gegner in Dead Rising 4 allesamt menschlich oder zumindest menschenähnlich sind bzw. sein dürften fällt dieser Punkt, der Doom quasi maßgeblich den Hintern rettet, bei einer möglichen Indizierungsentscheidung weg. Die Kriterien die zur USK-Freigabe von Doom führten, sind also nicht auf Dead Rising 4 übertragbar.

Anwendung der Entscheidungskriterien von Mortal Kombat

Wir haben hier mehr als ein Dutzend Entscheidungen (Jugendentscheide) der BPjM zu Indizierungsanträgen diverser Ableger der Marke Mortal Kombat, die sich in ihrem Sinngehalt wenig unterscheiden. Ein einziger Jugendentscheid weicht von der regelmäßigen Indizierung der Titel (mit Ausnahme weniger entschärfter Versionen oder absichtlich unblutiger Veröffentlichungen) ab: Mortal Kombat X. Es gab auch zu diesem Titel einen Indizierungsantrag, welcher aber aufgrund folgender maßgeblicher Kriterien abgelehnt wurde:

Dead Rising 4 Indizierung Spielerecht

Dead Rising 4

Mortal Kombat wurde bereits vor dem Indizierungsantrag in einer Demoversion von der USK bewertet um den Titel auf der Gamescom 2014 zeigen zu können. Die USK vergab eine Freigabe für die Demo unter anderem wegen der Entscheidung der BPjM zu dem Titel Sniper Elite V2 in der auch sogenannte X-Ray Moves nicht zu einer Indizierung führten. Eine USK-Bewertung bindet auch die BPjM, § 18 Abs. 8 JuSchG. Die Frage bei der Entscheidung über die Indizierung betraf also nicht das gesamte Spiel, sondern nur noch die Teile, die auf der Gamescom Demo nicht zu sehen waren, wie die Fatalities, Brutalities und anderer neuer Spielbestandteile, die allerdings auch im Zusammenspiel mit der gekennzeichneten Version betrachtet werden mussten.

Dass nicht indiziert wurde, ist landläufig bekannt. Die (vorgeschobenen) Gründe liegen in der unrealistischen Darstellung der Kämpfe und Spielfiguren mit ihren übertriebenen Spezialfähigkeiten sowie der “realitätsfernen Spielwelt”. Man hätte außerdem wohl auch die Grafik bei den aktuellen Konsolen noch detailreicher präsentieren können, was zudem zu einer fiktionalen Umgebung beitrage. Diese Kriterien, die 2015 nicht zu einer Indizierung führten, sind erstmals in einer Entscheidung der Bundesprüfstelle zu lesen. Der Vorgängertitel, der auf PS3 und XBox 360 mehr oder weniger inhaltsgleich daherkam wurde ohne große Diskussion direkt in den Listenteil B eingetragen.

Kann also die Entscheidung auf Dead Rising 4 übertragen werden?

Nein. Es liegt in Dead Rising regelmäßig keine “realitätsferne Spielwelt” (wobei sich über diesen Begriff hervorragend streiten ließe) vor. Die Titel spielen allesamt in einem möglichst detailreich nachgebauten Kalifornien, die Umgebung ist der Realität nachgebildet, Fahrzeuge, Gegenstände, Häuser etc sind so dargestellt, dass sie trotz der fiktiven Welt möglichst real erscheinen. Lediglich die Zombie-Apokalypse lässt in der Realität noch etwas auf sich warten. Zudem ist die Darstellung der Gewalt in Dead Rising zwar unrealistisch übertrieben, jedoch eher auf Realismus angelegt. Die Gewaltanwendung ist selbstzweckhaft und wird durch die Möglichkeiten höchst unterschiedliche und ausgefallene Waffen zu erstellen noch bekräftigt. Die zusätzliche Verharmlosung durch beispielsweise Teddybär-Bomben sorgt sogar für eine mögliche strafbare Darstellung nach § 131 StGB, die dem Titel mit dem Index-Dauerabo in der Vergangenheit auch schon zur Beschlagnahme und damit zu einem Handelsverbot innerhalb Deutschlands verhalf. Zudem bemängelt die BPjM bei der Reihe regelmäßig die “fließbandartige Aneinanderreihung von Mord und Metzelszenen”. Der Kunstaspekt wurde trotz der “kreativen” und “ausgefallenen Art” der Eliminierungshandlungen stets verneint.

Fazit [dr;tl:]

Gerüchte über eine USK-Freigabe werden natürlich (und wenn man die Spruchpraxis der letzten zwei Jahre betrachtet auch verständlich) laut, sind aber nach hiesiger Auffassung völlig unrealistisch. Sollten die BPjM und die USK einen ähnlichen Clou abziehen wie 2015 bei Mortal Kombat X – beispielsweise indem plötzlich die Menschenähnlichkeit der Zombies verneint würde – dürften künftig so ziemlich gar keine Titel mehr indiziert werden, da die BPjM sich auch immer an ihren bereits ergangenen Entscheidungen orientieren muss. Anders als ein Gericht ist die Behörde in ihrer Entscheidung nicht frei.

 


Screenshots: GameStar
13.06.2016, Michael Scheyhing