CDU nimmt Esport in ihre Wahlagenda auf – auch.

Spielerecht @gamescom

Zugegeben, der Titel ist etwas holprig. Aber das ist das Thema insgesamt ja auch. Es ist Wahljahr. Allernorts finden sich im Internet Jubelmeldungen wie: „Merkel’s party includes commitment to esports in election platform“. Merkel eröffnet erst die Gamescom und jetzt interessiert sich Mutti Neuland auch noch für Esports. Wahnsinn! Oder? Der Autor – mag es noch so vermessen sein, über sich selbst in der dritten Person zu schreiben, wenn man über Ewiggestrige herzieht – sieht das etwas anders.

Ein Kommentar

Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) und nahezu einhellig das mediale Gaming-Echo (sei es auch nur aus clickbait-Gründen) feierte die Bundes-SPD, als diese sich im Zuge des untergehenden Wahlkampfblockbusters – seines Zeichens Gottkanzler Schulz und aufgrund zahlreicher Lobbyeingaben dazu hinreißen ließ, in ihr Wahlkampfprogramm einen kleinen Nebensatz einzufügen: „…wir werden prüfen, ob und wie wir die Rahmenbedingungen für e-Sports verbessern können.“ Ein Passus, wie man ihn in der Politik häufig von sich gibt – nothing special here.

Trotzdem wurde dieser Spruch natürlich von der gesamten Industrie in güldene Lettern gegossen. Auf einmal wurde man als Esportler von der Politik anerkannt, man prüft sogar ob man irgendetwas vielleicht eventuell oder auch nicht für die Spieler oder eher besser für die Wirtschaftsunternehmen hinter den Spielern tun könne. Das ist toll! Das ist …. Wahlkampf.

Wir hatten in Nürnberg dieses Jahr eine Abstimmung der örtlichen (regierenden) SPD zur Förderung von Esports. Entschieden wurde: Dagegen. Warum ist das so? Weil sich von den Entscheidern nur die wenigsten etwas unter Esport vorstellen können. Und selbst wenn sie es könnten – warum soll man die Stubenhockerei unterstützen? Die Jungen sollen doch gefälligst in den örtlichen Fußballverein eintreten. Dass es sich bei Esports nicht um eine abstruse Art des Internetsurfens handelt, kann man den meisten noch relativ schnell erklären. Aber dass junge Menschen im Wettkampf mit anderen Spiele spielen? Verrückt!

Es handelt sich hier lediglich um ein – noch nicht einmal ausformuliertes – hohles Wahlphräschen, welches ebensogut nicht geäußert hätte werden können. Weder seine Hoheit Schulz, noch Gabriel oder gar der ewig gegen die Verfassung und Meinungsfreiheit ankämpfende Maas dürften in einer spontanen Fragerunde erklären können, was mit obigem Satz gemeint sein soll.

Fakt ist: Im Zuge des Wahlkampfes hoppten dann schnell die sogenannten Liberalen auf den Zug auf. Die FDP mag im Falle des Wahlsiegs „eSports in allen relevanten Dimensionen“ anerkennen. Was das widerum meint? Nun ja. Bürgernah war die FDP noch nie. Es geht also auch hier um die Wirtschaftsförderung. Unternehmen wie die ESL kann man da vielleicht mal berücksichtigen. Die sorgen ja für Steuereinnahmen… ach halt.

Die übrigen „etablierten“ ließen sich nicht weiter auf das Thema Esport ein. Zu vage ist die Vorstellung die man von diesem Kellerhobby hat. Wenigstens ehrlich.

Und jetzt kam die CDU. Als letzte der Wahlkampfdinosaurier ließ sie sich herab, ein Wahlkampfprogramm vorzulegen.
Esports wird erwähnt? Ja. Phänomenal: „Die Entwicklung des E-Sports begleiten wir positiv und sorgen für geeignete Rahmenbedingungen.“
Was lässt sich aus diesem Satz entnehmen? Nun… er liest sich wie eine schlechte Kopie der SPD Phrase. Allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass man wohl sicher davon ausgeht, schon die Regierung für die nächste Legislaturperiode zu stellen.

Wenn man ehrlich ist, wird das auch so sein. Der Wähler ist ein wankelmütiges und vergessliches possierliches Tierchen, der nur zwei Monate Wahlkampfversprechen braucht um all die verfassungswidrigen Gesetzesanbahnungen und Alleingänge der Regierung zu vergessen. Grundrechtspositionen werden mit dem Meinungsfreiheitsbekämpfungsgesetz (NetzDG) enorm eingeschränkt, praktischerweise winkte man das durch, während sich die Medien über die – ebenfalls verfassungswidrige – Homoehe freuten, mit der sich Mutti Neuland noch schnell die Ehre einkaufte, neben Kohl auch etwas essentielles für Deutschland geleistet zu haben.

Was macht man mit Parteien, die massiv gegen ihren Eid „dem deutschen Volke“ zu dienen verstoßen?

Richtig: Wieder wählen!

Aber eines dürfte sicher sein: Trotz Gamescom Eröffnung und Erwähnung in Nebensätzen. Frau Neuland hat keine Ahnung und auch kein Interesse am Esport, sie will nur euer Bestes: Eure Wähler-Stimme(n).

 


05.07.2017 Michael Scheyhing