BPjM – Entscheidungen im November 2016

Indizierung Dead Rising 4

Die BPjM hat ihre aktuellen Entscheidungen veröffentlicht:

Im November wurde erneut kein Videospiel auf Listenteil A oder B indiziert oder folgeindiziert. Dafür kam es erneut zu Listenstreichungen. Diesen Monat gab es nur eine relevante Streichung. Diese ausschließlich aufgrund des Fristablaufs nach § 18 Abs. 7 S. 2 JuSchG. Die Vorschrift sieht vor, dass Indizierungen, sollte keine Folgeindizierung notwendig sein, nach 25 Jahren ihre Wirksamkeit verlieren und daher die entsprechenden Spiele von der Liste zu streichen sind.

Shadow Warrior gestrichen

Listenstreichung nach Zeitablauf

Listenstreichung nach Zeitablauf

Pünktlich zur Veröffentlichung von Shadow Warrior 2 wird der Titel Shadow Warrior von der Liste für jugendgefährdende Medien gestrichen. Der 1997 veröffentlichte Titel von 3D Realms Entertainment mag dem ein oder anderen noch als Schnetzelklassiker bekannt sein. Die Liste wurde am 07. November 2016 von dem Titel befreit und folglich darf dieser in Deutschland wieder offiziell vertrieben werden.

Nicht, dass das bislang anders gewesen wäre. Shadow Warrior in der Classic 1997er Version kann offiziell auf Steam als Free2Play Titel geladen werden.Die Indizierung störte dabei bisher wenig. Der Titel kann auf Valves Vertriebsplattform bereits seit 2013 von jedermann heruntergeladen werden. Regionale Begrenzungen gab es nicht. Ein Vertrieb an Kinder und Jugendliche war also stets gewährleistet.

Die Indizierungswahrscheinlichkeit von aktuellen Titeln geht immer weiter gegen Null. Bei der BPjM ist man Indizierungsmüde geworden. Begründungen fallen aufgrund der wohl durchaus geänderten Ansichten der Gremienmitglieder und der Medienöffentlichkeit allgemein eher flach aus. Das Setting spiele sich in einer Fantasiewelt ab, hieß es in der Begründung zur Nichtindizierung des Titels Mortal Kombat X. Auch sei ein Selfie mit zu tötenden Fantasiewesen als klare satirische Übertreibung zu sehen. Den Jugendlichen sei dies auch bewusst.

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Release von Dead Rising 4 steht bevor  – Indizierung wahrscheinlich?

 Selfieszenen wird es auch im kommenden Titel Capcoms geben, welcher die dauerindizierte Massenzombievernichtungsorgie Dead Rising mit Teil 4 erweitern soll. Ein Deutschlandrelease ist derzeit nicht geplant. Eine USK-Freigabe wird man vermutlich ebenfalls – zumindest nicht so schnell – erwarten dürfen. Teil 3 wurde zum Releasezeitraum “blitzindiziert”, was später auch auf Listenteil B bestätigt wurde. Derzeit sieht es nicht so aus, als ob die Neauflage vom Grundkonzept und damit der wesentlichen inhaltsgleichheit aller Dead Rising Spiele abweichen würde. Warum auch, das Konzept ist erfolgreich, auch wenn manche Jugendschützer wegen solcher Titel auf die Barrikaden gehen.

Auch wurde das verpflichtend anzustrengende Verbotsverfahren schon für Teil 3 niemals so richtig eröffnet. Die Staatsanwaltschaft beendete die Ermittlungen mit einem Hinweis auf den fehlenden Markt in Deutschland. Klar. Die Jugendlichen beziehen es durch höchst einfuhrbereite Händler (§ 27 JuSchG) im europäischen Ausland wie gamesware.at oder amazon, die sich ob ihrer Strafbarkeit nach keine Sorgen machen müssen. Es wird schon nicht ermittelt, die Staatsanwaltschaften haben schließlich andere Sorgen.

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Eine Indizierung ist daher zwar möglich, aber dennoch nicht garantiert. Und wer weiß, vielleicht wird ja der industrielle Massenmord an menschenähnlichen Wesen künftig in einem virtuellen Kalifornien auch als satirische Fantasiewelt angesehen. Es wäre zumindest ein Novum.

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Michael Scheyhing, 30.11.2016