BLM: Let´s Play Videos von indizierten Spielen nicht grundsätzlich unzulässig


Ausgerechnet in Bayern wird es liberal. Der aktuelle Jugendschutzbericht der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) weist eine liberalisierte Meinung im Hinblick auf Let´s Play Videos aus. Die auch von uns vertretene Ansicht, dass Let´s Play Streams bzw. kommentierte Videos indizierter Spiele nicht per se als unzulässiges Angebot nach § 4 JMStV zu behandeln sind, findet langsam auch Einzug in die Behördenstuben.

So kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass bei Let´s Play Videos stets eine Einzelfallprüfung erfolgen muss und nicht generell eine Unzulässigkeit angenommen werden kann. Grund für die Annahme ist, dass durch die Kommentierung und die Aufzeichnung, kein streng inhaltsgleiches Medium mehr vorliegt, sondern ein neues Werk geschaffen wird, welches einer Neubewertung bedarf. Dem Jahrbuch der Medienanstalten im Bereich der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) entnimmt man ohnehin nur eine einzige für Spiele relevante Einstufung als unzulässig. So wurde das Video zum Titel Left for Dead 2, welcher im Berichtzeitraum bei den Rocket Beans live gespielt wurde, als unzulässig eingestuft. Das Spiel Left for Dead 2 steht in Deutschland auf dem Index für jugendgefährdende Medien und wurde 2010 wegen Gewaltdarstellung bundesweit beschlagnahmt, § 131 StGB.

Die Rocket Beans Entertainment GmbH ist seither Mitglied bei usk.online und lässt ihre Mitarbeiter in jugendschutzrechtlichen Fragestellungen schulen. Da die KJM nur auf eine Beschwerde hin tätig wird, wurden die auf YouTube und anderen Videoportalen vorhandenen Videos indizierter Spiele nicht in ihrer Fülle geprüft bzw. eingestuft. Ein Fall, der YouTube betrifft und in den Berichtzeitraum fällt ist die Videoreihe von Sarazar, welcher sein Angebot dahingehend einschränkte, dass er die Videos zum indizierten Titel Dying Light freiwillig offline nahm.

Anders sieht es hingegen bei unkommentierten Spielvideos aus, welche als mehr oder weniger “inhaltsgleich” mit dem Originalmedium zwar ebenfalls ein anderes Medium darstellen aber der Bewertung des Originalwerkes unterliegen, da die Inhalte, welche zur Indizierung führten in der Regel keiner Änderung unterworfen sind. Im Zweifel müsste eine Neubewertung durch die BPjM beantragt werden, was wohl kein Let´s Player je beantragen wird. So wurde vom Amtsgericht Tiergarten im Dezember 2016 eine Videoreihe von sogenannten Playthrough-Clips zum auf Listenteil D der Liste für jugendgefährdende Medien der BPjM indizierten Spiels “Hatred” beschlagnahmt. Durch das Zeigen der Spielinhalte verstoße der Videoersteller (Let´s Player) gegen § 131 Abs. 1 Nr. 1 und 3, Abs. 2 StGB, so der Beschlagnahmebeschluss.

Fazit:

Caster und Let´s Player haben nicht pinzipiell ein Verbot ihres Videos zu befüchten, wenn eine Beschwerde bei der KJM anhängig ist. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist jedoch nach wie vor sehr hoch.

Was daher unerlässlich bleibt, ist die Prüfung der Rechtlsage im Einzelfall, ohne die kein Video eines indizierten Spiels online gehen sollte. Hierbei ist der Jugendschutzbeauftragte zu Rate zu ziehen, der die notwendigen Kriterien vollumfänglich prüft. Zu beachten sind stets auch die Kennzeichnungspflichten und natürlich, dass durch die Kommentierung selbst kein indizierungsrelevantes Video geschaffen wird (Stichwort: Gewaltverharmlosung).

Sollten Sie Zweifel über die Zulässigkeit eines Streams haben, können wir eine entspechende Bewertung für Sie vornehmen, um einem kostenpflichtigen Aufsichtsverfahren entgegenzuwirken und einen jugendschutzkonformen Internetauftritt zu gewährleisten.


Michael Scheyhing, 22.07.2017 [Update am 20.10.2017 bzgl. des Titels “Hatred”].