Betway und die ESL One Cologne – 2017, das Jahr der Esports-Wettanbieter?


Die ESL kündigte stolz an, Betway als Glücksspielpartner bei der diesjährigen ESL One Cologne zu führen. Gezeigt werden sollen u.a. Live-Wetten, welche die “Stärke” der gezeigten Spiele(r) demonstrieren sollen und natürlich direkt zum Mitspielen animieren. So versucht der weltweit größte Organisator von Esports-Events mit einem der weltweit größten Glücksspielanbieter Sportwetten im Esport zu etablieren. Eintritt ab 14? Es wird wohl zumindest bei dieser Veranstaltung keine Diskussion hierüber geben. Denn Spielerschutz ist in aller Regel zunächst auch Jugendschutz. Wie die Übertragungen gesetzeskonform ausgestaltet werden sollen ist fraglich. Die Zielgruppe ist jung. Die Werbung für Sportwetten daher verboten, § 5 Abs. 3 GlüStV.

Wettanbieter verdienen an Spielen

Esports bringt Geld. Nicht nur die Medien und große Werbeunternehmen sowie Markeninhaber verstehen so langsam, dass die Zielgruppe eine enorme ist, auch Glücksspielanbieter drängen seit jeher auf den Markt. Konnten einige Versuche, sich den Esports-Betreibern zu nähern und aus deren Spielen Gewinne zu ziehen das ein- oder andere Mal abgewehrt werden (so hat bspw. ein Wettanbieter unter der Domain: “www.esportsandmore.com” und dem Pseudonym “bvb-marketing” versucht, FIFA Turniere in Deutschland zu etablieren, wobei das Eintrittsgeld in einem Einkauf in diverse Online-Casinos bestanden hat), gibt es Betreiber wie “Bet and Play Gaming” (BAP-Gaming), die gewerbsmäßig mit dem Wetten auf Spielausgänge durchaus schon einige Jahre am Markt existieren.

Rechtslage nicht ganz geklärt

Trotz der eindeutigen Strafbarkeit von nichtzugelassenem Glücksspiel nach §§ 284 f. StGB (hierunter fallen auch Sportwetten), werden entsprechende Verstöße zumindest strafrechtlich nicht verfolgt. Dies liegt an der von mehreren Verwaltungsgerichten bestätigten europarechtswidrigen Ausgestaltung der Konzessionsverteilung, welche es faktisch nicht gibt. Hier hat sich der Gesetzgeber durch das Schaffen der Erlaubnis und der gleichzeitigen Verhinderung der Möglichkeit, diese Erlaubnis zu erlangen, ein Ei gelegt, welches zur Unanwendbarkeit der Strafvorschrift führt, solange dieses Hindernis (ob gewollt oder nicht) noch besteht. Die Konzessionserteilung und damit einhergehende Gewerbeuntersagungen bzw. Verbote sorgen immer wieder für Streit zwischen der Exekutive und den Glücksspielanbietern.

Relativ unstreitig ist jedenfalls, dass Gewinne aus dem professionellem Spiel um das Spiel, steuerrechtlich als Gewinne aus Gewerbebetrieb anzusehen und als solche zu versteuern sind, während Gewinne aus reinem Glücksspiel per se nicht steuerbar sind. Auch hier stellt sich für den Steuerpflichtigen die Frage: Ab wann muss ich versteuern und begehe ich vielleicht durch die Nichtversteuerung eine Straftat?

Wetten bringt Umsätze

Immer häufiger sieht man einzelne Anbieter, die vorsichtig versuchen sich zu etablieren und die Grenzen bis zum “Verbot” austesten. Einen Vorstoß, Glücksspiele im Gamingbusiness “as usual” zu sehen, gab es dieses Jahr bereits, als der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) den Glücksspielanbieter Gauselmann aufnahm und dies zunächst als tolle Erweiterung des Netzwerkes feierte. Unter lautstarkem Shitstorm der Mitglieder und Medien ruderte man aber dann doch relativ schnell zurück und trennte sich wieder.

Wetten macht süchtig

Ein Grund, weshalb Glücksspiel – solange es nicht staatlich konzessiert ist – illegal ist, wird im Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) mit Suchtprävention betitelt. Der natürliche Spieltrieb der Bevölkerung solle in geordnete und überwachte Bahnen gelenkt sowie Schwarzmärkten entgegengewirkt werden. Die Jugend und der erwachsene Spieler soll geschützt werden vor den Folgen betrügerischer Machenschaften sowie der Begleitkriminalität. Zudem soll Gefahren für die Integrität sportlichen Wettbewerbs beim Veranstalten und Vermitteln von Sportwetten vorgebeugt werden. Das Ergebnis von Spielsucht sieht man in den einschlägigen Kneipen allernorts: Armut.

Industrie findet kaum Gründe für Verbote

So denkt sich das zumindest der Gesetzgeber. Dabei will die Glücksspielindustrie doch nur auch einen Teil vom Kuchen abhaben. So sieht “esportsinsider” den Einzug von Betway als der ESL großer Glücksspielpartner als “great opportunity” und findet “the often sad reality of regulated esports betting is that markets are frequently suspended”. Gefeiert werden auch sogenannte “charitys” wenn Wettanbieter ein Turnier finanzieren.

Man mag geteilter Meinung sein, ob gewerbliche Glücksspiele nun zwingend ins Esports-Business integriert bzw. etabliert werden müssen oder nicht. Jedenfalls bewegen sich die Akteure auf dünnem Eis. Zwar ist die Strafverfolgung derzeit ausgesetzt, aber dies bedeutet noch lange keine Erlaubnis. Der BIU geht auch hier mit der Bewerbung der Veranstaltung seines Mitglieds ESL wieder den Weg in Richtung Glücksspiel, wie er das bereits im Januar dieses Jahres tat. Man wird sehen, ob sich moralische Entrüstung erneut ausbreitet oder steter Tropfen den Stein schon höhlen möge.

Ob und wie die ESL diesen Schritt moralisch rechtfertigt außer mit einer Chance für die Aktionäre wird sich zeigen. Denn Fakt ist: Jugendliche und junge Erwachsene sind das Zielpublikum dieser neuen Glücksspieloffensive und beim Jugendschutz hörte schon so mancher Spaß auf.

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Michael Scheyhing, 04.07.2017