Amazon muss In-App-Käufe von Minderjährigen erstatten

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Applikationen ermöglichen immer leichtere Einkaufsmöglichkeiten

Die moderne Technik ist auf Effizienz und Benutzerfreundlichkeit ausgelegt. Per One-Klick-Button können komplette Bestellungen abgewickelt werden, per umstrittenem Dash-Button muss der Kunde nicht einmal an einem PC sitzen, um online Verträge abzuschließen. Viele Apps und Mobile Games beinhalten Mechanismen, die es dem Kunden sehr einfach ermöglichen, zusätzliche Inhalte kostenpflichtig zu bestellen. Diese Mechanik ist auch bei solchen Applikationen weit verbreitet, die sich gezielt an Kinder richten. Das derzeit erfolgreichste Mobile-Game „Pokémon Go“ erwirtschaftete von der Veröffentlichung im Juli bis September des selben Jahres 440 Millionen Dollar. Damit liegen aktuell die Einnahmen der App über denen aktueller Hollywood-Blockbuster. Die Seite appinstitute.com hat dazu eine Live-Darstellung der Einnahmen durch diverse Mobile-Games veröffentlicht.

Schon im Juli 2014 beschuldigte die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) den Internetriesen Amazon, den Zugang zu kostenpflichtigen Inhalten zu leicht gestaltet zu haben. Hierdurch seien bei den Eltern Schäden in Millionenhöhe entstanden. Die FTC stellt eine unabhängige Bundesbehörde für Verbraucherschutz dar, die als solche zwar weisungsgebunden, jedoch keinem Ministerium untergeordnet ist.

Die Klage richtete sich auf Schadensersatz in Höhe von 26,5 Mio US-Dollar. Die Schuldfrage wurde bereits im April 2016 unter Richter John Coughenour verhandelt, der seinerzeit der FTC recht gab. Das Gericht stellte fest, dass Amazon beim erstmaligen Implementieren von In-App-Käufen im Jahr 2011 davon ausging, dass die Nutzer diese Mechanik nicht – oder nur unzureichend kannten.

Amazon etablierte nach und nach gewisse Hürden, um die Käufe für Kinder etwas schwieriger zu gestalten

  • Zum fraglichen Zeitpunkt bedurfte es für einen In-App-Kauf im Normalfall keiner zusätzlichen Legitimierung. Nur wenn dies in den Kindersicherungs-Einstellungen des Gerätes aktiviert war, wurde ein Passwort angefordert.
  • Im Dezember 2011 häuften sich die Beschwerden von Eltern, die sich mit unerwarteten Kosten durch Käufe, welche durch ihre Kinder getätigt wurden, konfrontiert sahen.
  • 2012 führte Amazon einen Passwortschutz für solche Käufe ein, die 20 US-Dollar überstiegen. Damit wurde jedoch der Großteil der – meist im Cent-Bereich angesiedelten – Kaufoptionen nicht berücksichtigt.
  • Im März 2013 erstellte Amazon eine Liste sogenannter „High-Risk Apps“, deren Nutzung ein hohes Risiko an Kosten beinhaltete. Bei diesen Apps wurde bei jedem Kauf ein Passwort gefordert.

Die letztlich ausgeurteilte Schadenshöhe berechnete sich aus verschiedenen Faktoren und berücksichtigte auch die fortschreitend erhöhten Sicherheitsmaßnahmen seitens Amazon sowie registrierte Fehlversuche, Passwörter bei Käufen einzugeben. Nach eingehender Prüfung befand das Gericht die geforderte Summe als zu hoch, da sie auf der Annahme basierte, dass jeder fehlgeschlagene Passwort-Versuch der eines Kindes gewesen sei.

Amazon zur Schadensermittlung verpflichtet

Wie Reuters berichtet, erging nun die endgültige Entscheidung des Gerichts. Die geforderte Millionensumme wurde abgelehnt. Stattdessen wurde Amazon verpflichtet, einen einjährigen Rückerstattungs-Vorgang – beginnend im Frühjahr 2017 – in Gang zu setzen. Im Zuge dessen sollen betroffene Eltern benachrichtigt und der ihnen entstandene Schäden erstattet werden.

Dem Wunsch des beklagten Online-Giganten, die Rückerstattungen in Form von Geschenkgutscheinen durchzuführen, kam Richter John Coughenour nicht nach. Er führte aus, dass die Beklagte dadurch einen Teil des in Frage stehenden Gewinns wieder einfahren könnte. Dies sei aber nicht im Sinne der Entscheidung.

Bereits im Jahr 2014 strengte die FTC Verfahren gegen die Unternehmen Apple Inc. und Google Inc. (mittlerweile Alphabet Inc.) aus dem selben Grunde an. Diese erklärten sich im Rahmen außergerichtlicher Vergleiche dazu bereit, Rückzahlungen von mindestens 32,5 Mio US-Dollar (Apple) bzw. 19 Mio US-Dollar zu leisten.

Seitdem wurden die Sicherheitsvorkehrungen bei In-App-Käufen signifikant verbessert.Logo Gameslaw TM


17.11.2016, Nicolas Hermann